Forum Rechtssicherheit –
Anforderungen von Investoren und Handel
Rechtssicherheit für Investoren und Handel standen im
Mittelpunkt des diesjährigen öffentlichen Forums, zu dem die
Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft anlässlich des albanischen
Nationalfeiertages am 28. November 2011 in das Verbändehaus Handel –
Dienstleistung – Tourismus nach Berlin eingeladen hatte. DAW-Präsident
Hans-Jürgen Müller konnte als Ehrengast S. E. Valter Ibrahimi,
Botschafter der Republik Albanien, in Berlin begrüßen. Als Experten
standen Rechtsanwalt Renald Metoja, Lauda-Königshofen, zu
Rechtsfragen sowie Hans H. Ahlfeld, WAO-Office – Consulting,
Hausen o. V., und Arnold Geiger von der Nehemia Stiftung, Buçimas/Nürnberg,
zu konkreten Erfahrungen eines Engagements in Albanien den
interessierten Mitgliedern und Gästen Rede und Antwort.

Offener
Dialog und klare Beschreibungen auf dem Forum zur Rechtssicherheit in
Albanien
In seinem Eröffnungsstatement informierte Botschafter
Valter Ibrahimi über ein Anfang Dezember 2011 geplantes Treffen in
Brüssel, von dem sich Albanien Signale für ein weiteres Vorankommen auf
dem Weg der Erweiterung der Europäischen Union mit Blick auf den
Beitritt der Republik Albanien erhoffe. Er hob hierzu den positiven
Trend der Entwicklung in Albanien hervor. Er sprach an, dass die
Europäische Union zwölf Anforderungen benannt habe, die die albanische
Politik erfüllen werde. Die Umsetzung setze einen konsensualen Weg in
Albanien voraus. Botschafter Ibrahimi zeigte sich zuversichtlich, dass
Albanien 2012 in der Lage sein werde, den Kandidatenstatus zu erhalten.
Besondere Würdigung durch Botschafter Ibrahimi wurde der
bilateralen Zusammenarbeit für den Albanientag in München am 22. März
2011 und der Unternehmerdelegationsreise vom 28. September bis zum 1.
Oktober 2011 nach Albanien zuteil. Vor diesem Hintergrund ging er auf
die wirtschaftlichen Reformen und die politischen Zielsetzungen der
albanischen Regierung ein. Als attraktive Vorteile für Investoren und
Handel mit Albanien sprach er die niedrige Belastung mit Steuern und die
einfachen Verwaltungsanforderungen für Unternehmen an. Zu den
wirtschaftspolitischen Sektorschwerpunkten, die für ausländische
Unternehmen besonders attraktiv seien, führte er Mineralien und
Rohstoffe, Tourismus, den Ausbau der Infrastruktur, der Wasserversorgung
und Müllentsorgung sowie den Energiesektor an.
Das Jahr 2012 stelle hohe Erwartungen an Albanien.
Albanien könne dann auf einhundert Jahre Unabhängigkeit blicken und
plane für diesen Anlass ehrgeizige und attraktive Veranstaltungen. Er
äußerte seine Zuversicht und Freude, hierbei eng mit der
Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft sowie anderen
Wirtschaftsinstitutionen zusammenarbeiten zu können. Als einen für
Albanien wichtigen Besuch in Deutschland sprach er die geplante Reise
von Parlamentspräsidentin Jozefina Topalli im Februar 2012 an.
Insbesondere arbeite Albanien mit besonderem Engagement daran,
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel für einen Besuch in Albanien zu
gewinnen.
Als ein wichtiges Signal an Investoren sahen die
Teilnehmer die Entscheidung des Bundesrates an, der am 25. November 2011
zu dem vom Deutschen Bundestag bereits am 20. Oktober 2011
verabschiedeten Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und
Albanien seine Zustimmung gab. Nun bedürfe es noch der Unterzeichnung
durch Bundespräsident Christian Wulf, damit das
Doppelbesteuerungsabkommen wie geplant in Kraft treten kann.

Hans H.
Ahlfeld, WAO-Office, Rechtsanwalt Renald Metoja, DAW-Präsident
Hans-Jürgen Müller, Botschafter Valter Ibrahimi und Arnold Geiger, CEO
Nehemia Stiftung, (von links) diskutierten engagiert über Fragen der
Rechtssicherheit
Seine Erfahrungen im Ausbau der wirtschaftlichen
Beziehungen zwischen deutschen und albanischen Unternehmen wie auch sein
Engagement für den Ausbau und die Stärkung der kommunalen
Selbstverwaltung stellte Hans H. Ahlfeld, WAO-Office, ein
Consulting-Dienstleister, vor. Er machte deutlich, dass Albanien seit
2001 enorme Fortschritte erreicht habe, auch wenn es heute bereits
weiter sein könnte. Für erfolgreiche Unternehmenskontakte seien der
persönliche Kontakt und die Entwicklung eines Netzwerkes wichtig.
Albanien sei für Unternehmer wie auch Reisende insgesamt ein sicheres
Land. Für ein Engagement sei ein Partner vor Ort eine wichtige
Voraussetzung.
Vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrungen bei
bilateralen Kontakten erläuterte Rechtsanwalt Renald Metoja das
aktuelle wirtschaftliche Umfeld und den bestehenden Rechtsrahmen in
Albanien aus Sicht der Rechtsberatung. Nach starken Jahren des
Wirtschaftswachstums werde 2011 mit etwa 2,33 Prozent Wachstum ein
schwaches Jahr und er erläuterte dann die wichtigsten Rechtsquellen für
an einem Engagement in Albanien interessierte Unternehmen. Er verwies
auf das albanische Zivilgesetzbuch, das Gesetz zu Handelsgesellschaften
und zum Handelsregister. Mit Blick auf die erfolgreiche Gründung eines
Unternehmens in Albanien unterstrich er, dass hierfür alle Dokumente in
albanischer Übersetzung mit Apostille vorliegen müssen.
Für Investoren seien auch die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen relevant. So betrügen die Gehälter im öffentlichen
Sektor rund 350 Euro im Monat und im privatwirtschaftlichen Sektor 400
bis 700 Euro/monatlich. Hinzu kämen rund 30 Prozent an Lohnnebenkosten,
sodass ein Unternehmer mit rund 1.000 Euro an Lohnkosten je Mitarbeiter
in Albanien kalkulieren könne. An Steuern fielen 10 Prozent Gewinnsteuer
an und im Falle der Ausschüttung nochmals 10 Prozent Einkommensteuer, so
dass die maximale ertragsteuerliche Belastung attraktive 20 Prozent in
Albanien betrage.
„Doing business“ in Albanien würde, so die
zusammenfassende Einschätzung von RA Metoja, mit niedrigen Steuersätzen
und geringem Lohnniveau bei gutem Ausbildungsstand Jugendlicher
verbunden sein. Er unterstützte die Empfehlung, bei einem
unternehmerischen Engagement einen örtlichen Geschäftspartner zu
beteiligen. Er machte jedoch auch deutlich, dass das Klagewesen in
Albanien im Moment noch nicht funktioniere. Rechtssicherheit sei zwar
gegeben, ebenso gute Geschäftspartner und Beamte, Rechtssicherheit vor
Gericht zu erstreiten, sei jedoch noch schwierig.
Ein zwanzigjähriges Engagement in Albanien, stellte
Arnold Geiger im Bereich der Förderung von Bildung und Studium am
Beispiel der gemeinnützigen Nehemia-Stiftung vor. Er führte aus, dass
die Nehemia-Stiftung in diesem Zeitraum rund 20 Millionen Euro in
Albanien investiert habe und dass Arbeiten in Albanien ohne Korruption
möglich sei. Dies setze aber konsequentes Verhalten voraus. Er
appellierte an alle Unternehmen durch ein entsprechendes, eigenes
Verhalten zu helfen, Standards zu setzen, dass Korruption keine Chance
erhalte. Gleichzeitig sprach er an, dass Erfolg nicht ohne Kontakte zu
schaffen sei, die auf Vertrauen und Kompetenz basieren. Er appellierte
dafür, Verständnis zu wecken, wie eine freie Marktwirtschaft arbeite und
erläuterte auch Defizite im Kulturverständnis: Es fehle an Bewusstsein,
dass Nichtregierungsorganisationen (NGO) wertvolles Sozialkapital
aufbauen und dass Wirtschaftsbetriebe helfen, dringend benötigtes
Wirtschaftskapital aufzubauen.
Auch Arnold Geiger unterstrich, dass nachhaltiges
Investieren in Albanien möglich sei, auch wenn es kurzfristig mal
Enttäuschungen gebe. Er empfahl, langfristig zu denken, sich
Unterstützer parteiübergreifend zu suchen, lokale Partner zu gewinnen
und seine Unabhängigkeit zu wahren. Sein Tipp für erfolgreiche
Unternehmenskontakte: eine Reise und ein Gespräch mehr seien besser als
jegliche Korruption.
In der anschließenden Diskussion wurde angesprochen, dass
empfehlenswert sei, Probleme durch Dialog zu lösen, durch persönlichen
Austausch mit geschulten Übersetzern, da die Menschen in Albanien
gewöhnt seien, miteinander zu sprechen. Anwaltskontakte, zur Klärung von
Rechtsfragen, werden meist nicht gesucht.