Deutsch - Albanische Wirtschafts-

gesellschaft e.V. DAW

 

 

Home
Aktuelles
Ziele
Engagement
Mitgliedschaft
Vorstand
Satzung
Infos ueber Albanien
Links
Impressum

 

Forum Albanien 2010

„Albanien: Moderner Wirtschaftsstandort
für Investoren und Handel“

 Dienstag, 6. April 2010, 17:00 Uhr bis 19:30 Uhr,
Haus der Commerzbank, Pariser Platz 1, 10117 Berlin

Anlässlich des Besuchs von Herrn Prof. Dr. Bamir Topi, Präsident der Republik Albanien, in Berlin am 6. April 2010 führten die Deutsch-Albanische Wirtschaftsgesellschaft e. V. (DAW), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK), der Ost- und Mitteleuropa Verein e. V. (OMV) sowie der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. (BGA) in Kooperation mit der Botschaft der Republik Albanien in Berlin eine Forumsveranstaltung durch, in deren Mittelpunkt die Ansprache von Staatspräsident Bamir Topi stand. Diese Publikation gibt den Wortlaut der Reden und Impressionen der Veranstaltung wieder.

Begrüßung
Ilka Hartmann

Leiterin des Bereichs Internationale Regierungskontakte der Commerzbank AG

Sehr geehrter Herr Präsident Topi,
sehr geehrter Herr Dr. Nitschke,
sehr geehrter Herr Müller, sehr geehrter Herr Raabe,
sehr geehrte Damen und Herren,

Im Namen der Commerzbank und unseres Beauftragten des Vorstands Herrn Heiner Herkenhoff, der leider terminlich verhindert ist, begrüße ich Sie recht herzlich im Haus der Commerzbank am Pariser Platz 1. Wir freuen uns sehr, dass Sie unser Haus für die Rede des Präsidenten ausgewählt haben.

Albanien ist ein Mitgliedsland der NATO und auf dem Weg, den EU-Kandidaten­status zu erhalten. Im vergangenen Jahr konnte das Land ein positives reales Wachstum verzeichnen. Das können bei weitem nicht alle EU-Mitgliedstaaten von sich behaupten.

 

Ilka Hartmann begrüßt für die Commerzbank AG 
Präsident Topi und die weiteren Teilnehmer 


Dennoch ist auch Albanien stark von den Entwicklungen des Außenhandels in der EU und von den EU-Mitgliedsländern abhängig. Deutschland ist der drittgrößte Handelspartner und auch die Commerzbank -  ein  wenig  Eigenwerbung  sei an
dieser Stelle erlaubt - ist im Bereich der Handelsfinanzierungen dabei sehr wichtig.

37 Prozent des Exports zwischen Deutschland und Albanien und 34 Prozent des Imports zwischen Albanien und Deutschland wird über die Commerzbank abgewickelt. Auch im Bereich der mittelständischen und kleinen Unternehmen im Bereich der  Mirkofinanzen hat die Commerzbank einen großen Anteil. 20 Prozent der ProCredit Bank, die diese Ressourcen zur Verfügung stellt, ist ein Anteil der Commerzbank und wir haben dieses Modell auch erfolgreich bisher in anderen Nachbar-Standorten verfolgt und wollen dies auch weiterhin so tun.

Herr Präsident, wir freuen uns daher sehr, von Ihnen persönlich noch mehr über die aktuelle Lage von Albanien und der wirtschaftlichen Entwicklung Ihres Landes zu erfahren. Wir wünschen Ihnen bei den Bemühungen, den Beitrittsstatus zu erlangen, viel Erfolg. Wann immer wir als Bank Ihnen dabei behilflich sein können, bitte lassen Sie es uns wissen. 

Ich wünsche Ihnen sehr, sehr erfolgreiche Gespräche, wir werden nachher auch noch Anlass und Möglichkeit zur Diskussion haben. Ich möchte jetzt Herrn Dr. Nitschke vom DIHK das Wort erteilen. 

Vielen herzlichen Dank!



Eröffnung

Dr. Axel Nitschke
 

Stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter Bereich International 
AHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V., Berlin

Sehr verehrter Herr Präsident Professor Topi,
sehr verehrte Exzellenzen,
verehrte Frau Hartmann,
meine Damen und Herren!

Wir freuen uns sehr, Sie heute bei diesem Wirtschaftsforum begrüßen zu können, das anlässlich des Besuchs des Staatspräsidenten von Albanien heute hier im Haus der Commerzbank ausgerichtet wird. Ausrichter sind die Deutsch-Albanische Wirtschaftsgesellschaft DAW, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag DIHK für den ich hier sprechen kann, und der Ost- und Mitteleuropa-Verein OMV. 

Wir begrüßen Sie, Herr Präsident, sehr herzlich hier in Berlin! Wir freuen uns, dass Sie mit einer so beeindruckend großen Wirtschaftsdelegation zu uns gekommen sind. Dies unterstreicht nicht nur das Interesse, das Sie an einer Zusammenarbeit mit uns als deutscher Wirtschaft haben, es unterstreicht auch die Dynamik, die Ihr Land und die Wirtschaft Ihres Landes gerade in den letzten Jahren auszeichnet. Und es macht noch mal deutlich, welche Chancen und Perspektiven auch Albanien bietet, dass ein so großes Interesse seitens Ihrer Wirtschaft, der Sie begleitenden Wirtschaftsdelegation, hier zum Ausdruck kommt. 

Sie sehen heute Nachmittag, dass auch von deutscher Seite das Interesse groß ist, so groß, dass die Räumlichkeiten der Commerzbank kaum ausreichen, um alle Gäste unterzubringen. Wir sind aber sehr dankbar, dass wir hier unterkommen können. Wir möchten der Commerzbank sehr dafür danken, dass Sie uns heute hier an diesem wunderbaren Ort, am Brandenburger Tor, am Pariser Platz, haben aufnehmen können. 

Albanien weckt heute und generell unser Interesse vor allem schon aus zwei Gründen, zum einen, wir haben eine schwunghafte  wirtschaftliche  Entwicklung und wir stellen fest, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich immer weiter verbessern.

Wir blicken auf aus unserer Sicht beeindruckende jährliche Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes von 6 bis 7 Prozent pro Jahr in den vergangenen zehn Jahren zurück. Selbst im Krisenjahr 2009, Frau Hartmann hat es schon erwähnt, gehörte Albanien zu den wenigen Ländern in Europa, die noch ein positives Wachstum aufwiesen. 

Axel Nitschke vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag
eröffnet die Forumsveranstaltung 

Das ist natürlich besonders erwähnenswert, auch vor dem Hintergrund, dass inzwischen eine sehr stabile Geldpolitik in Albanien Einzug hat halten können, dass dieses gute Wachstum begleitet wird von einer niedrigen Inflationsrate von etwa zwei-, zweieinhalb Prozent. Bei den Rahmenbedingungen beeindruckt hat uns die Schaffung einer One-Stop-Agency für Investoren und Firmengründer. Beeindruckt hat uns weiterhin der einheitliche Steuersatz von 10 Prozent und die erfolgreiche Privatisierungen einst staatlicher Betriebe. All das sorgt für eine wirtschaftsfreundliche Atmosphäre in Ihrem Land.

Wir begrüßen außerdem den konsequenten Weg, den Albanien in Richtung europäischer und transatlantischer Strukturen geht. Da ist natürlich in erster Linie zu nennen der Beitritt Albaniens im Jahre 2009, vor ziemlich einem Jahr, im April zur NATO, und auch das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU trat in Kraft, so dass wir über diesen Weg weitere gute Rahmensetzungen bekommen haben.  

Albanien ist darüber hinaus 2007 dem Mitteleuropäischen Freihandelsabkommen CEFTA beigetreten. Das alles waren notwendige Schritte, um bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, den Unternehmen bei ihren Handels- und Investitionsentscheidungen Sicherheit zu geben und insbesondere den Handel zwischen Ihrem Land und den westeuropäischen Ländern und Deutschland im Speziellen auch zu flankieren. 

Auch wir, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, die Organisation der deutschen Industrie- und Handelskammern, und die Vertreter der deutschen Wirtschaft vor Ort, haben auf die Entwicklung reagiert. Seit August 2008 gibt es die Deutsche Industrie- und Handelsvereinigung in Albanien (DIHA), deren Präsidentin Frau Andrea Gebbeken wir auch herzlich begrüßen.  

Wir als DIHK haben erst jüngst uns dafür entschieden, als DIHK einen neuen Mitarbeiter für Albanien nicht nur einzustellen, sondern auch in Tirana arbeiten zu lassen. Ab Mitte April wird dieser Mitarbeiter eng mit der DIHA zusammenwirken, um damit den Handel zwischen Albanien und Deutschland auch weiter zu unterstützen. Wenn wir jetzt als Organisation in Tirana auf diese Weise selbst vertreten sind, dann deswegen, weil wir davon überzeugt sind, dass sich diese Investition lohnt und ausbaufähig ist. 

Für uns ist die Frage in einem Land vertreten zu sein, kein Selbstzweck, sondern eine wirtschaftliche Entscheidung. Nehmen Sie dieses Zeichen als Signal unserer Wertschätzung für Ihr Land, für die positive Entwicklung in Ihrem Land und als Signal, dass wir die Chancen, die sich daraus ergeben, für die deutsch-albanischen Wirtschaftsbeziehungen auch tatsächlich nutzen wollen. 

Herr Präsident, wir freuen uns jetzt sehr auf Ihren Beitrag und würden Ihnen gern jetzt hier das Wort überlassen. 

Vielen Dank!



Ansprache

Prof. Dr. Bamir Topi

Präsident der Republik Albanien

(Übersetzung der Rede in albanischer Sprache)

Sehr verehrte Vertreter der deutschen Wirtschaft,
sehr geehrte Vertreter der albanischen Wirtschaft,
sehr geehrte Damen und Herren.

Ich bin sehr froh, aber auch erfreut, dass ich mich heute in Ihrer Mitte befinde, nur wenige Meter von einem historischen Ort entfernt, der für die Deutschen natürlich von nationalem Stolz ist und für die Albaner immer ein Referenzpunkt war, um aus dem Pessimismus der Isolation herauszukommen und um auf eine glückliche Perspektive als ein Staat zu schauen, der über viele Jahre Europa nicht nur von seiner Bestimmung und nicht nur aus der geografischen Zugehörigkeit, sondern auch aus politischen Gesichtspunkten angehört hat.

Albanien ist heute Teil Europas und nach einiger Zeit wird Albanien auch offiziell Teil der europäischen Familie sein. Alle Menschen, die heute Teil dieser albanischen Delegation sind – diese ist nicht nur eine politische Delegation, sondern auch eine Unternehmerdelegation – können als Pioniere der Marktwirtschaft in Albanien angesehen werden. Ich nutze diese Gelegenheit, um mich bei diesen zu bedanken und auch diese für den Mut zu beglückwünschen, den sie gezeigt haben. 

Es ist nicht einfach, wenn man von einem System, das zentralisiert war, in ein anderes System der Marktwirtschaft übergeht. Dazu muss man in erste Linie mehr Fähigkeiten haben als andere. Nach einer Aussage des bekannten Schriftsteller Leslie Waller in seinem Buch "Der Banker“ ist die Fähigkeit, vorausschauen zu können, eine besondere Eigenschaft der Unternehmer. 

Diese Menschen sind heute hier. Ich schätze sie sehr. Vielleicht haben sie auch schon eher als die Politik wahrgenommen, wo unsere Zukunft liegt. Und glücklicherweise sind die politischen Institutionen und Verwaltungseinrichtungen, die sich heute in einem fortschrittlichen Status befinden, sehr stolz, wenn vielleicht in einer nahen Zukunft - ich würde sagen zwei Jahrzehnten – ein modernes Albanien Mitglied der Europäischen Union sein wird. Dies ist ein relativer Gesichtspunkt. Das mag vielleicht im ersten Augenblick als sehr viel erscheinen, aber auf der anderen Seite ist es auch relativ. Hier wird das Leben einer Nation betrachtet, deswegen ist das relativ zu sehen.

Präsident Bamir Topi bei seiner Ansprache
an die deutsche und albanische Wirtschaft


In zwei Jahrzehnten hat Albanien große Fortschritte erzielt. So haben wir es im Moment schwer, einen Vergleich anzustellen, wo wir waren und wo wir uns jetzt befinden. Aber der Mensch muss in der Lage sein, Vergleiche zu ziehen, um im Rückblick vergleichen zu können. Dann besteht auch die Möglichkeit, sich für die Zukunft besser organisieren zu können. 

Aus diesem Gesichtspunkt heraus sage ich Ihnen, dass ich sehr glücklich bin, dass ich heute hier bin, weil mehr als die Albaner hat sich niemand stärker für die geschichtlichen Aspekte des Mauerfalls in Berlin interessiert. Wir haben uns darauf bezogen und deshalb gehört es zum Allgemeinwissen eines albanischen Bürgers. Deswegen versuchen wir auch den Mauerfall immer als Beispiel zu nehmen. Es gibt keinen anderen, der mehr gelitten hat als die Albaner, was den Entzug von Freiheit betrifft. Und glücklicherweise sind wir heute frei.

Heute erleben wir nicht nur eine Demonstration, was die Albaner in zwei Jahrzehnten geschaffen haben. Heute haben wir auch eine große Wertschätzung genossen. Ein sehr großer Dank gebührt Bundespräsident Köhler für das sehr freundliche Treffen. Es war für die bilateralen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern vielversprechend. Es wurde die Absicht bekräftigt, die Zusammenarbeit zwischen uns fortzusetzen.

Ich bin überzeugt, dass sich Unternehmergeist, dass sich die Intelligenz der Geschäftsleute auf diesem sehr gut passenden politischen und institutionellen Terrain entfalten werden. In meiner Ansprache, die nicht nur einfach mein Beitrag, sondern auch ein institutioneller Beitrag ist, könnte ich Vieles sagen. Da ich die wertvolle Zeit der Geschäftsleute aber nicht zu lange in Anspruch nehmen möchte, möchte ich dieses Treffen dazu nutzen, einige wichtige Aspekte herauszugreifen und mich dabei von meinen schriftlichen Ausführungen zu lösen. Diese beinhalten sehr wertvolle Informationen, die von Experten erstellt worden sind, und unterstreichen, wie sich die Leistungskraft Albaniens ständig erhöht. 

Dank der wertvollen Hilfe aus Deutschland und aus anderen Ländern der Europäischen Gemeinschaft sowie der Vereinigten Staaten von Amerika ist Albanien ein Land, das große Fortschritte gemacht hat. Keiner hätte sich träumen lassen, dass das Albanien von 1990 zu einem der NATO-Länder werden würde und damit an einem der wichtigsten Tische für Frieden und Sicherheit sitzen würde. Das ist nicht nur Anerkennung der geostrategischen Position Albaniens, sondern auch eines kleinen Balkanlands und eines Landes mit einer großen Freiheitsliebe - eines Landes, das vielleicht in dieser Region den größten Beitrag zum Frieden geleistet hat. 

Ich möchte erläutern, weshalb das aus meiner Sicht, die nicht nur rein persönlich ist, so ist. Der Westbalkan ist sehr wichtig, nicht nur für die Balkanvölker, sondern auch für Europa und sogar im globalen Sinne. Er ist eine Region, in der wir uns historisch immer wieder in Kriegen befunden haben. Es gab zwischenethnische Kriege seit der frühesten Geschichte bis zur neuesten Geschichte. Betrachten Sie nur den Genozid der während der Auflösung des ehemaligen Jugoslawiens stattgefunden hat, den Genozid, der vor noch nicht allzu langer Zeit gegen das albanische Volk im Kosovo ausgeübt wurde, wodurch eine politische Destabilisierung herbeigeführt wurde, was auch dazu führte, dass alle Möglichkeiten eines Interesses an einem wirtschaftlichen Aufbau zunichte gemacht wurden.

Heute ist es ganz anders. Heute herrscht in dieser Region Frieden. Probleme existieren vereinzelt. Die Orientierung der Länder des Westbalkans ist Brüssel - in zweifachem Sinne: Brüssel als Zentrum der NATO und Brüssel als Verwaltungszentrum Europas. Das bedeutet, dass Albanien als NATO-Mitglied und als Land in einer ruhigeren Gegend ein äußerst attraktiver Ort für die Wirtschaft ist und - da wir hier in Berlin sind - für die deutsche Wirtschaft, die nicht nur, wie bisher, in einzelnen Teilen Albaniens vertreten sein sollte, sondern die die Intensität ihrer Investitionen auch erhöhen sollte. 

Ich möchte Albanien nicht nur in seinen Grenzen sehen. Denn Wirtschaft lässt sich nicht nur auf ein Land beschränken. Ich möchte Albanien als Möglichkeit betrachten, als eine große wirtschaftliche Möglichkeit im regionalen Kontext für die Möglichkeiten der Zusammenarbeit der Balkanländer und für Investitionsmöglichkeiten für Länder wie Deutschland. Diese Möglichkeiten sind groß und reich an Perspektiven für einen jeden. 

Albanien hat es sich nicht einfach gemacht, die Gelder aus den europäischen Ländern nur zu konsumieren, sondern es hat im Gegenteil im Rahmen seiner Möglichkeiten mit viel Effizienz diese Gelder, die unter anderem über Banken nach Albanien geflossen sind, investiert. So wurde die Infrastruktur aufgebaut und neue Möglichkeiten für Unternehmen geschaffen. Es wurden liberale Rahmenbedingungen geschaffen und heute erreichen uns wichtige Referenzen, die bedeutend dafür sind, dass die Wirtschaft nach Albanien kommt.

Albanien hat die liberalste Gesetzgebung für die Gründung eines Unternehmens, für die Konsolidierung eines Unternehmens. Ich glaube - wie Sie auch gut wissen -, dass Albanien noch ungenutzte Potenziale hat, um erfolgreich Unternehmen zu etablieren und regional aufzubauen.

Nach so vielen Jahren ist Albanien heute natürlich auch auf dem Wege, seine Gesetzgebung zu verbessern. Die politische Situation verschärft sich hin und wieder. Ich kann Ihnen aber sagen, dass sich Albanien darin nicht von anderen Ländern unterscheidet. Dort, wo eine politische Debatte stattfindet, dort ist meiner Meinung nach Demokratie.

In Albanien selbst appelliere ich immer wieder an die politischen Parteien und auch jetzt vor diesen Zuhörern. Es ist notwendig, dass die Parteien politische Stabilität und politische Zusammenarbeit schaffen und dass Lösungen gefunden werden, die in erster Linie Lösungen für die Bürger und für Unternehmen sind, dass die Voraussetzungen geschaffen werden können, denen unabhängig von der Tagespolitik Erfolg beschieden sein mag. Die Rahmenbedingungen in Albanien sind stabil, zwischen den Institutionen wird keine Verkrampfung erwartet, sondern eher das Gegenteil. Diejenigen, die noch nicht in Albanien waren, lade ich ein, Albanien zu besuchen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Mit Herrn Köhler haben wir heute über einen Präsidentenbesuch in Albanien gesprochen. Präsident Köhler hat diese Einladung sehr gerne angenommen. Hierdurch können wir zeigen, dass Albanien nicht nur natürliche Ressourcen verbraucht, sondern eine schöne Natur mit Meer und Sonne besitzt, also ein Land ist, das sehr viel aufzuweisen hat. Vom Süden bis hin zum Norden ist Albanien eine sehr außergewöhnliche Attraktion sowohl im Bereich des Grünen Tourismus, des ländlichen Tourismus, als auch in allem, was mit der Ernährungskultur in Albanien zu tun hat. 

Ich lade Sie ein, in einer ehrenswerten Art und Weise, nicht um meine Promotion für mein Land zu machen, sondern sich von der Realität in Albanien zu überzeugen, damit mehr Investoren unser Land besuchen. Heute sind wir im Rahmen eines offiziellen Besuchs hier in Deutschland, aber erlauben Sie mir die Hochachtung für Ihr Land auszusprechen. Von bedeutenden Namen wird die deutsche Nation und das deutsche Volk in Albanien für seine Großartigkeit sehr hoch geschätzt. Als Nation wird es für seine Ernsthaftigkeit, für die Methodik, für die Disziplin hoch geschätzt und das hat auch ermöglicht, dass heute Deutschland eine Führungsposition in Europa beansprucht.

Und es ist ein Glück für Albanien, für die albanische Bevölkerung, dass diese Investitionen, die in den schwierigsten Zeiten unseres Landes - in den Zeiten der Transition - stattgefunden haben, fortgeführt werden, dass sie nicht nur auf diesem Niveau gehalten werden, sondern im Sinne der albanischen Gesellschaft, aber auch im Sinne der Wirtschaft ausgebaut werden. 

Ein anderer Aspekt, den ich hier gerne ansprechen und mit Ihnen teilen möchte, ist die Sicherheit. Nach diesen Jahren gelingt es den albanischen Institutionen allmählich, erfolgreich ein Ziel zu realisieren: Die Wirtschaft kann wachsen und die Menschen sollen sich auch frei bewegen können. Bedauerlicherweise ist das bis heute nicht möglich, nur ausgewählte Menschen können aus Albanien aus- und wieder einreisen. In einigen Monaten hoffen wir, dass wir Bewegungsfreiheit für alle Albaner erreicht haben werden. Das würde eine sehr wichtige Voraussetzung erfüllen, um die wirtschaftlichen Aktivitäten auszubauen. Als weiterer Gesichtspunkt wäre es auf jeden Fall für die albanische Wirtschaft sehr wichtig, wenn wir den nächsten Schritt anbahnen könnten, ein Kandidat für die Europäische Union zu werden.

Ich habe dies alles erwähnt, um deutlich zu machen, dass Albanien ein sicherer Staat ist. Albanien hat sehr viele Felder, die ernsthafte Investitionen erfordern. Nach unserer Analyse würde ich sagen, dass die deutschen Investoren die ernsthaftesten sind, die große Werke in Albanien schaffen können. 

Es gab sehr viele Investitionsmöglichkeiten im Energiesektor. Vor einigen Tagen habe ich einen Beschluss des albanischen Parlamentes  zur  Stromerzeugung  von  110 Volt ratifiziert. Dieser betrifft nicht nur den Energiesektor oder den Infrastrukturbereich, sondern auch einen anderen Bereich, in dem die Deutschen sehr fortschrittlich sind: den Umweltsektor. Wir hatten ein deutsches Projekt an einem See, der ein Unikat in Europa ist: der Ohrid-See aber auch andere Bereiche Albaniens, dort wo sie gesehen haben, dass es große Möglichkeiten gibt für die Entwicklung. 

Sehr geehrte Damen und Herren, dieser heutige Tag ist eine neue Etappe in der Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Albanien und Deutschland. Wir hatten Gelegenheit, uns über Fragen auszutauschen, die bei der Politik beginnen und bei der Wirtschaft nicht halt machen, sondern weit darüber hinaus gehen. Die Politik muss wissen, dass sie wesentlich näher an der Botschaft sein muss. 

Sehr geehrte Damen und Herren, dieser heutige Tag ist eine neue Etappe in der Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Albanien und Deutschland. 

Delegation aus Politik, Rechtsprechung
und Wirtschaft von Präsident Topi

Wir hatten Gelegenheit, uns über Fragen auszutauschen, die bei der Politik beginnen und bei der Wirtschaft nicht halt machen, sondern weit darüber hinaus gehen. Die Politik muss wissen, dass sie wesentlich näher an der tschaft sein muss. 

Die albanischen Unternehmen kommen nicht nur wegen des Tourismus, denn ihren steht es frei, Berlin zu besuchen, heute sind sie mit einer anderen Motivation hier. Hier sind sie bei den Vertretern der deutschen Wirtschaft in Albanien, um Kontakte mit den Repräsentanten der albanischen Wirtschaft und der deutschen Wirtschaft erfolgreich zu knüpfen.

Wir alle garantieren ein gutes Klima, aber die Fähigkeit des Ausbauens der guten Beziehungen hat auch ein bisschen mit Talent bei denjenigen zu tun, die sich mit Wirtschaftsfragen befassen. Ich selber war nie in der Wirtschaft tätig und ich denke auch nicht, dass ich zukünftig mit der Wirtschaft im engeren Kontakt stehen werde. Aber ich habe immer noch die Motivation, jeden einzelnen Menschen zu schätzen, weil die Politik und die Verwaltung nur eine virtuelle, eine abstrakte Angelegenheit wären. 

Deswegen bedanke ich mich bei Ihnen und ermutige Sie, dieses Treffen,  das wir heute gehabt haben,   in Tirana weiter fortzuführen, vielleicht in einem etwas weiteren Format. Ich bin davon überzeugt, dass Sie auch den Herrn Präsidenten Köhler begleiten werden und von der Nähe aus sehen werden, welche Fortschritte wir erreicht haben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Präsident Bamir Topi bei seinem Gang zum Haus der Commerzbank mit Abgeordnetem Gazmend Oketa sowie Verfassungsgerichtspräsident Vladimir Kristo (re.) und Botschafter Valter Ibrahimi (li.)


Statement

Hans-Jürgen Müller

Präsident der Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft e. V., Berlin

Sehr geehrter Herr Präsident Topi,
sehr geehrte Frau Hartmann,
sehr geehrter Herr Raabe,
sehr geehrter Herr Dr. Nitschke,
Exzellenzen, meine Damen und Herren!

Zum Forum "Albanien – Moderner Wirtschaftsstandort für Investoren und Handel" möchte ich Sie, sehr geehrter Herr Präsident Topi, und Ihre Delegation aus Politik und Unternehmerschaft sehr herzlich willkommen heißen. Begrüßen möchte ich auch gerne Herrn Minister Meta, Herrn Verfassungsgerichtspräsidenten Kristo sowie die Unternehmensdelegation unter Leitung von Herrn Jaka. Unser Dank, sehr geehrte Frau Hartmann, gilt der Commerzbank für die freundliche Einladung und Unterstützung in diesen wunderschönen Räumen.

Herr Präsident Topi, Sie haben einen weiten Bogen gespannt von einer politischen und geschichtlichen Betrachtung. Ich habe jetzt die etwas unglückliche Aufgabe, Sie und unsere Zuhörerschaft auf das trockene Feld der Wirtschaft zurückzuführen, aber, wie Sie vielleicht am Ende sagen werden, eine erfolgversprechende Reise.

Albanien hat die Finanz- und Wirtschaftskrise im Gegensatz zu vielen Volkswirtschaften, wesentlich stabiler bewältigt. Entgegen dem Trend in Mitteleuropa und in weiten Teilen der Weltwirtschaft blieb die wirtschaftliche Entwicklung in Albanien aufwärts gerichtet. 

Für diese positive Entwicklung insgesamt hat Albanien durch ein wirklich beeindruckendes Reformtempo die Grundlagen gelegt. 

Präsident Hans-Jürgen Müller bei der
Ansprache für die deutsche Wirtschaft

Die Entwicklungszusammenarbeit, die mit Deutschland besonders intensiv war - Sie haben auch darauf hingewiesen - hat dazu beigetragen, dass ein wichtiger Know-how-Transfer nach Albanien stattgefunden hat. 

Albanien heute - der One-Stop-Shop, der schon erwähnt wurde, ist ein Beispiel hierfür – ist ein attraktiver und moderner Wirtschaftsstandort geworden. Im Laufe der letzten sieben, acht Jahre hat sich das Handelsvolumen zwischen unseren beiden Ländern verdoppelt, und - was mir wichtiger in diesem Zusammenhang ist - auch die Investitionen haben sich positiv entwickelt. Mit den Unternehmen Praktiker und Rossmann, die im letzten Jahr nach Albanien gekommen sind - Rossmann inzwischen schon mit einer dritten Filiale - haben wir zwei Leuchtturmprojekte, über die wir gerne berichten.

Insbesondere das schon erwähnte Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit Albanien hat die Zusammenarbeit in der praktischen, wirtschaftlichen Abwicklung erheblich verbessert. Damit sind verlässliche Rahmenbedingungen für den Aufschwung im bilateralen Handel in die Realität umgesetzt worden. Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass insbesondere die Zollfreiheit ein ganz wesentliches Instrument für die Entwicklung des bilateralen Handels gewesen ist.

Das heute unterzeichnete Doppelbesteuerungsabkommen, meine Damen und Herren, schafft nun auch für Investoren und Handel verlässliche steuerliche Rahmenbedingungen. Auch dies ein Punkt, der wichtig ist, weil nun eine doppelte Besteuerung ausgeschlossen werden kann. Nun sollte auch, und Sie haben zu Recht darauf verwiesen, die Visaliberalisierung zum Durchbruch gebracht werden können. Ich möchte dies einmal aus der Unternehmerschaft heraus betrachten. Für die Besuche der Unternehmer und ihrer Beschäftigten untereinander ist dies ein ganz wesentlicher Aspekt, so wie es auch für andere Bereiche des täglichen Lebens sein mag.

In einem Punkt, Herr Präsident, sind die Erwartungen der deutschen Wirtschaft allerdings nicht erfüllt. Und ich meine, unter guten Freunden dürfen wir auch diesen Punkt ansprechen, wie es die deutsche Regierung im vergangenen Jahr schon einmal getan hat. Unter den mannigfachen Infrastrukturinvestitionen Albaniens findet sich seit längerer Zeit – trotz kompetenter Angebote – kein Auftrag an deutsche Unternehmen. Dies entspricht nicht der deutschen Wettbewerbsposition international. Denn unsere Infrastrukturangebote sind – wie weltweit bewiesen – wettbewerbsfähig in Preis und Qualität.

Die deutsche Wirtschaft erhofft sich entsprechend ihrer Wettbewerbsstärken und deshalb auch in der kommenden Zeit Kooperationsaufträge aus Albanien. 

Wenn deutsche Unternehmen in Albanien investieren und nicht nur in Albanien, tun sie dieses regelmäßig nachhaltig. Ich freue mich daher unter den heutigen Teilnehmern zahlreiche Repräsentanten einer solchen, erfolgreichen Zusammenarbeit zu sehen. Dies sind nicht nur Großunternehmen wie Tirana International, Siemens, Volkswagen, Mercedes und andere, sondern das ist auch beispielsweise ein mittelständisches Unternehmen Fritz Schäfer, das uns in dieser Veranstaltung freundlicherweise unterstützt.

Für den Erfolg der bilateralen Zusammenarbeit, meine Damen und Herren, zwischen Deutschland und Albanien sind auch die institutionellen Verbesserungen von großer Bedeutung.

Mit der Deutschen Industrie- und Handelsvereinigung in Tirana, der DIHA, wurde die gegenseitige Interessensvertretung auch in Albanien durch eine verbandliche Stimme vertieft. Herr Dr. Nitschke hat diese Bemühungen schon gewürdigt. Die DIHA, Frau Gebbeken als ihre Vertreterin vor Ort, wächst und ist auf einem sehr guten Wege. 

Erwähnen möchte ich aber auch die Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenzen, die vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurden und sich mittlerweile - unterstützt von beiden Regierungen - einer hohen gegenseitigen Beteiligung erfreuen.

Die nächste Deutsch-Albanische Wirtschaftskonferenz wird am 10. Juni 2010 in Hamburg durchgeführt werden, gemeinsam mit der Handelskammer Hamburg und dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg. Im Namen der Veranstalter der deutschen Wirtschaft möchte ich Sie alle zur Teilnahme an dieser vierten Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz aufrufen. Wir würden uns selbstverständlich außerordentlich freuen, wenn wir eine ähnlich starke Unternehmensbeteiligung aus Albanien verzeichnen könnten. 

Als Schwerpunkthemen dieser Konferenz haben wir uns strategische Aspekte der bilateralen Zusammenarbeit vorgenommen. Es soll die Handelsausweitung im Einzelnen betrachtet werden, es soll die Kooperation im Bereich Logistik untersucht werden, und es soll vor allen Dingen ein völlig neuer strategischer Kooperationsansatz im Bereich der Gesundheitspolitik und des Pharmawesens gesucht werden. Letztere Aufgaben - wissen wir - sind Aufgaben, die sich auch die albanische Regierung für die laufende Legislaturperiode vorgenommen hat. 

Herr Präsident Topi hat es anklingen lassen, wir halten den Tourismussektor nicht nur für förderungswürdig, sondern für erheblich ausbaufähig. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass sich die Flugverbindungen ins Ausland verzehnfacht und die Zahl der ausländischen Gäste, die Albanien besuchen, verachtfacht haben. 

Alles Entwicklungen, die dafür sprechen, in diesem wunderschönen Land einmal einen Teil eines Urlaubes zu verbringen. Der Tourismussektor ist ein Schlüsselsektor für Albanien, insbesondere zur Entwicklung des Dienstleistungssektors.

Ich möchte noch auf einen anderen Aspekt eingehen, den Herr Präsident Topi schon in seiner Rede gestreift hat. Ich möchte ausdrücklich die albanischen Bemühungen der Zusammenarbeit mit den umliegenden Ländern würdigen. Auch wir sehen darin einen Stabilitätsfaktor von erheblicher Bedeutung; vor allem auch im wirtschaftlichen Bereich. 

Großes Interesse für den Wirtschaftsstandort
Albanien auf der Forumsveranstaltung

Industrielle Investitionen, aber auch Handelsinvestitionen haben Anforderungen an notwendige Marktgrößen, an Logistikstrukturen und an Finanzierungsvolumen. Je größer die regionale Zusammenarbeit ist, desto mehr nähern wir uns der Vision von einem Markt in der Region, mit den entsprechenden wirtschaftlichen Erfolgsmöglichkeiten. 

Wir möchten die albanische Politik ausdrücklich darin bestärken, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf allen Feldern fortzusetzen und auszubauen. Die Perspektiven für eine weitere deutliche Steigerung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Albanien sind außerordentlich günstig. Warum? Weil das Binnenwachstum stark ist, wir haben es mehrfach gehört, aber auch ein anderer Aspekt sollte nicht vergessen werden. Das sind die Einkommenssteigerungen der albanischen Bevölkerung. Albanien hat ein hohes Tempo in der Einkommenssteigerung und von daher ein Interesse in der Zusammenarbeit im Konsumsektor. 

Was die Handelsentwicklung angeht, meine Damen und Herren, bin ich ehrgeizig! Ich meine, wir können das Handelsvolumen mittelfristig erneut verdoppeln. Das möge auch für die Investitionen gelten. Wir müssen natürlich dazu unsere Anstrengungen beiderseitig intensivieren. Seien Sie versichert: Die deutsche Wirtschaft wird ihren Beitrag hierzu leisten.

Meine Damen und Herren, bedanken möchte ich mich ausdrücklich für die wertvolle Zusammenarbeit mit der albanischen Botschaft und bei allen Veranstaltern und besonders auch für die unternehmerische Unterstützung. 

Ich möchte nun das Wort weitergeben an den Herrn Kammerpräsidenten Jaka und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!



Statement

Nikolin Jaka

Präsident der Handels- und Industriekammer von Tirana

Sehr geehrter Herr Präsident Topi,
sehr geehrter Herr Vizepremierminister Meta,
sehr geehrter Herr Nitschke,
sehr geehrte Freunde, Kollegen, Geschäftsleute aus Deutschland und Albanien!

Es ist für mich eine große Freude und etwas ganz Besonderes, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen, bei der unsere deutschen Freunde gastfreundlich ihre Tore geöffnet haben. Wir nähern uns einer neuen Dimension unserer bilateralen, schon lange bestehenden Beziehungen an. Es ist eine großartige Gelegenheit, unsere geschäftlichen Beziehungen gerade angesichts des höchstrangigen Staatsbesuchs von Präsident Topi erneut zu stärken. Diese Veranstaltung ist hervorragend organisiert, so dass sich der albanischen Wirtschaft eine neue Dimension eröffnet.

Heute weist die albanische Wirtschaft ganz neue Dimensionen auf. Ungeachtet der in den entwickelten Ländern vorherrschenden Krise haben sich in den beiden letzten Jahren unsere gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen positiv entwickelt. Der Gesamtexport von Albanien nach Deutschland ist von 2,6 auf 4 Prozent gestiegen. Von 2008 bis 2009 hat sich der Export verdoppelt. Ich möchte über die reale Entwicklung der albanischen Wirtschaft und über das Wirtschaftsklima einige Bemerkungen machen.

Die Wirtschaftsreformen der Regierung sind sehr wichtig für die Liberalisierung der Wirtschaft, die Deregulierungsreform und die Steuerreform sind sehr wichtig. Sie haben Albanien zu einem der am besten klassifizierten Länder in dieser Region gemacht. Ein wesentliches Element ist die Schaffung und das Funktionieren des One-Stop-Shops mit dem Ziel, dass ein neues Unternehmen innerhalb von 24 Stunden registriert werden kann, früher waren es über vierzig Tage.

CCI-Präsident Nikolin Jaka beim Statement für die Wirtschaft der Hauptstadt Tirana 

Die elektronische Teilnahme an Ausschreibungen hat zu einem freien Wettbewerb geführt. Das Gesetz für den Schutz der Auslandsinvestitionen, die Schaffung und das Funktionieren des nationalen Lizenzierungs- und Registrierungszentrums ist ein weiterer One-Stop-Shop, mit dem ein Unternehmen innerhalb von höchstens zehn Tagen lizenziert werden kann, früher waren es neunzig Tage.

Die Online-Kommunikationsmöglichkeiten von Unternehmen im Bereich Zoll und im Bereich Steuern haben sich verbessert. Es gibt ein Gesetz zum Schutz der Auslandsinvestitionen, das Sie sicherlich zwischenzeitlich bestimmt alle kennen. Außerdem sind im Rahmen der EU-Integration Albaniens zwei wichtige Verträge unterschrieben worden, darunter das Gesetz zur Vermeidung der Doppelbesteuerung.

Momentan hat die Industrie- und Handelskammer der albanischen Regierung ein Projekt vorgeschlagen, das die Anzahl der Unternehmen zusammen mit den anderen Reformprogrammen auf über 105.000 erhöht hat. Dazu gehören auch zahlreiche ausländische Unternehmen mit ausländischem oder gemeinsamem Kapital. 23 Prozent davon sind Dienstleistungsunternehmen. Einen hohen Anteil haben ebenfalls Bau- und Telekommunikationsunternehmen.

60 Prozent der ausländischen Unternehmen kommen aus der EU. Deutschland nimmt den dritten Platz ein. Ich habe einen kurzen Überblick über die wirtschaftliche Lage und die Lage der Unternehmen in Albanien gegeben, um einen wichtigen Faktor herauszustellen: Es ist einfach und es ist durchaus machbar für ausländische Investoren, in Albanien Geschäfte zu betreiben. 

Sie kommen aus einer sehr entwickelten Volkswirtschaft. In unserem Land sind die Humanressourcen sehr reichhaltig. Sie sind jung und für die verschiedensten Branchen der albanischen Wirtschaft qualifiziert. Außerdem ist bei uns die Arbeitskraft immer noch preisgünstig. Das heißt, Sie verfügen in dem Land, in dem Sie arbeiten, über hochqualifizierte und preisgünstige Arbeitskräfte.

Daher lade ich Sie ein, sich mutig dem albanischen Markt zuzuwenden. Es ist ein Mittelmeerland mit einer sehr günstigen geopolitischen Position. Momentan hat Albanien gute Voraussetzungen für den Export von Fertigprodukten. Albanien arbeitet häufig mit deutscher Technologie in Unternehmen der chemischen und mechanischen Industrie, in der Verarbeitung von Rohstoffen, in der elektrischen und elektronischen Industrie.

Albanien hat ein bereit stehendes Humanpotential für Investitionen. Es ist daher wünschenswert, dass deutsche Geschäftsleute nicht nur Besucher, sondern auch Investoren sind.

Meine Damen und Herren, wir möchten die deutsch-albanische wirtschaftliche Zusammenarbeit ermutigen. Albanien ist bereit, alle Ressourcen zur Unterstützung derartiger Initiativen zur Verfügung zu stellen. Wir verfügen über alle Kapazitäten als Industrie- und Handelskammer, um Sie professionell beim Aufbau Ihrer geschäftlichen Projekte zu unterstützen.

Viele unserer Dienstleistungen sind in sehr kurzer Zeit umzusetzen, entweder direkt durch uns oder durch Partner, mit denen wir vertragliche Vereinbarungen haben. Die Festigung des guten Klimas zwischen unseren Ländern lässt mich sehr zuversichtlich sein, was die Steigerung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern betrifft.

Das bedeutet, dass es auch wünschenswert sein wird, neue Partnerschaften zwischen Unternehmen in Deutschland und in Albanien aufzubauen.

Vielen Dank!

 

Diskussion
Moderation

G.-Michael Raabe

Präsident Ost- und Mitteleuropa Verein e. V., Hamburg / Berlin

Sehr geehrter Herr Präsident Topi,
sehr geehrter Herr Vizepremierminister Meta,
sehr geehrte Frau Hartmann!

Vielen Dank noch mal für die Gastfreundlichkeit! Mir steht es nun zu, aus dem Vielen, was wir gehört haben, eine Diskussion herbeizuführen. Ich werde dann Herrn Präsidenten Topi bitten, zu mir zu kommen. Lassen wir also erst einmal Fragen zu.

Wir haben sehr vieles gehört, was Albanien sehr interessant macht. Ich könnte jetzt ein kleines Co-Referat halten und nochmals alles zusammenfassen. Aber ich würde dann das Gleiche von der hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung erzählen.

Herr Präsident Topi hat in einem Nebensatz davon gesprochen, er würde keine Promotion für das Land machen. Ich habe dies dann doch schon anders empfunden. Es ist ihm sehr gut gelungen und es ist, glaube ich, die Einladung zu einer Reise nach Albanien. Ich muss gestehen, auch ich war noch nicht in Albanien, habe nur die schönen Bilder gesehen. 

Ich habe nun noch viel mehr andere Gründe gehört, weshalb man nach Albanien reisen sollte. Vielleicht sollten wir auch eine deutsche Wirtschaftsdelegation entsenden, die lernt, wie man innerhalb von 24 Stunden eine Registrierung eines Unternehmens herbeiführt. Insofern haben wir uns viel gegenseitig zu geben. 

Wir sollten nun die Gelegenheit zu Fragen nutzen. Vorweg liegen mir drei Wünsche zu kurzen Statements vor. Frau Gebbeken, die DIHA ist dreimal erwähnt worden. Ich denke, Sie sollte auch zu Anfang zu Wort kommen. 

Andrea Gebbeken
Deutsche Industrie- und Handelsvereinigung in Albanien

Vielen Dank! Sehr verehrte Damen und Herren, Herr Präsident Topi. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft wurde bereits berichtet, dass wir uns letztes Jahr auch institutionalisiert haben und jetzt eine Vorstufe einer deutsch-albanischen Kammer in Albanien vorhanden ist, deren Präsidentin ich bin. 

Es wurde bereits mehrfach in den Vorträgen erwähnt, dass der Staat Albanien sehr viel in den vergangenen Jahren getan hat, um Investitionen in Albanien attraktiv zu machen. Er hat Gesetze und Institutionen geschaffen. Das hat die deutsche Wirtschaft in Albanien sehr wohl zur Kenntnis genommen und befürwortet dies natürlich. Es gibt weiterhin Probleme, mit denen wir in Albanien kämpfen müssen - das ist, glaube ich, auch ganz normal in einem solchen Land: die Infrastruktureinrichtungen, die etwas unsichere Landeigentumsfrage, Rechtsstaatlichkeit, Rechtssicherheit, die in manchen Fällen etwas unsicher ist.

Auf der anderen Seite ist das Land unglaublich dynamisch. Wenn Sie hinfahren, stellen sie fest, dass es jung ist, eine junge Bevölkerung, sehr gut ausgebildet, hat. Insofern ist es sicherlich ein Ziel, was sich zu untersuchen lohnt. 

Die Dynamik ist sehr groß in Albanien, und wir merken das in der DIHA. Es kommen sehr viele Anfragen von interessierten großen Unternehmen, kleineren Unternehmen, von mittelständischen - sowohl von albanischen Unternehmen, die Interesse an Deutschland haben, als auch von deutschen Unternehmen, die Interesse an Albanien haben. Ich kann nur sagen: "Es sieht gut aus."

G.-Michael Raabe: Wir haben noch zwei Statements von Unternehmen: einmal die Firma Siemens, einmal die Firma Fritz Schäfer. Herr Dr. Böhm und Herr Ermlich werden nun noch eine kurze Stellungnahme abgeben. Wir fangen in dieser Reihenfolge mit Herrn Dr. Böhm an. 

Dr. Hans-Peter Böhm
Siemens AG Verbindungsbüro Berlin

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Es ist mir persönlich eine Freude und auch natürlich der Firma, die ich hier vertrete, Siemens, dass wir diese Veranstaltung mit unterstützen konnten. Persönlich ist es mir deshalb eine Freude, weil ich, im Gegensatz zu Ihnen, Herr Raabe, zu denen gehöre, die nicht nur einmal in Albanien waren. Ich konnte in den letzten Jahren mehrfach dieses Land besuchen und des Weiteren freue ich mich auch, Vizepräsident der Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft zu sein, und deshalb also auch einen zweiten Grund habe, hier diese Entwicklung, die wir in Albanien beschrieben bekommen haben, aktiv mit zu verfolgen. 

Es ist klar, wir tun das nicht nur aus der Freude heraus, sondern wir wollen Geschäfte machen und wir sind ein großer Infrastrukturlieferant, wie Sie wissen, und deshalb ist der Aufbau der Infrastruktur Albaniens für uns natürlich ein großes Feld geschäftlicher Aktivitäten, namentlich im Wasser- und Energiebereich. Wir haben in der Vergangenheit, vor allem bei der Entwicklung der Strominfrastruktur, einige sehr interessante Projekte in Albanien verwirklichen können und sehen durchaus mit großem Ehrgeiz und Freude weiteren Projekten entgegen. Es gibt zwei große Stromtransportprojekte, die wir in Albanien verfolgen, und wir werden uns auch beteiligen an der Ausschreibung für die Wasseraufbereitungsanlagen in Tirana.

Ich möchte die Gelegenheit auch nutzen, meinen Kollegen Herrn Kastanis vorzustellen. Wie Sie hören kein deutscher Name, er kommt aus Griechenland. Wir betreiben unsere Geschäfte für Albanien aus Griechenland heraus und Herr Kastanis steht sicherlich auch Gesprächen am Ende dieser Veranstaltung zur Verfügung.

G.-Michael Raabe: Nun das letzte Eröffnungsstatement  Herr Ermlich, Sie haben das Wort.

Wolfgang Ermlich
Fritz Schäfer GmbH, Neunkirchen

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Wir beschäftigen uns seit drei Jahren mit Albanien. Ich darf dazu sagen, dass wir das Land von Norden nach Süden, von Osten nach Westen bereist haben. Ich darf von mir aus behaupten, ich kenne etwa neunzig Prozent Ihrer Bürgermeister in Ihrem Land. Wir haben über alle Themen, vor allen Dingen des Umweltschutzes und der Abfallwirtschaft, gesprochen. Wenn hier oft über Tourismus und über Infrastruktur gesprochen wird, dann ist gerade das Gebiet der Abfallwirtschaft ein Thema, das in Albanien noch sehr stärker angepackt werden muss.

Wir haben das erste Musterbeispiel in Lezhe geschaffen. Jeder in Albanien kann sich überzeugen, dass es geht, dass die Bürger bereit sind, ihren Abfall sogar zu trennen, getrennt zu sammeln, Papier und alles andere zu verkaufen. Das ist also möglich. Was uns zurzeit hindert sind einige Unsicherheiten, die ich gerne mit Ihren Mitgliedern der Regierung besprechen würde oder von Ihnen erfahren würde, was Ihre Regierung auf diesem Gebiet tun möchte.

G.-Michael Raabe: Meine Damen und Herren, die Statements waren einstimmend auf die Diskussion, damit Sie auch ein bisschen Zeit zum Nachdenken haben.

Ich werde jetzt kurze Fragen, kurze Statements sammeln. Vielleicht können wir mit dem angesprochenen Thema der wirtschaftliche Zusammenarbeit anfangen, mit Ihren Erfahrungen oder Ihren Problemen anfangen. Wo meinen Sie, wo Verbesserungen vorgenommen werden könnten? Wir wollen hierzu ein paar Wortmeldungen zusammenfassen und dann Herrn Präsidenten Topi bitten, darauf zu antworten, bevor wir uns dann einem neuen Thema zuwenden.

Wer macht den Anfang? 

Hans-Jürgen Müller: Ich würde gerne fragen wollen, worauf der Erfolg beruht, dass Albanien von der internationalen Krise so gut wie nicht getroffen wurde?

OMV-Präsident G.-Michael Raabe eröffnet die Diskussion 

Bamir Topi: Tatsächlich ist diese Frage sehr wichtig. Es ist eine Dissertationsfrage, wie in der globalen Krise und bei den Bedingungen, die auch starke Länder so berührt haben, sein kann, dass Albanien diese Krise überwunden hat? Also, es gab keinen Rückgang, es gab im Gegenteil eine Stärkung der Wirtschaft. Das führt natürlich auch dazu, bei unseren Partnern manchmal Bewunderung auszulösen. Ich denke zunächst einmal, dass die Taktzahl an Reformen in einem Land, in dem ein bewundernswerter Rhythmus stattfindet, sorgfältig studiert werden muss. Natürlich steht das den Wirtschaftlern zu, um sich mit diesem Punkt auch analytisch zu befassen. 

Der zweite Punkt hat mit einer Tradition zu tun, die auch weiterhin anwesend und fühlsam sein wird in Albanien. Sie wissen, dass viele Menschen Albanien innerhalb der Transitionsphase verlassen haben und über eine lange Zeit wieder in ihr Land zurückkehren wollten, um ihre Betriebe wieder weiterzuführen. Wahrgenommen wurde in der globalen Wirtschaftskrise, dass die albanische Wirtschaft relativ klein ist, sie es aber trotzdem geschafft hat, sehr fähig zu operieren. Hierfür waren zum einen die Investitionen nicht nur für Albanien, sondern auch für die Unternehmen, die investiert haben, sehr wichtig.

Es gab Investitionen in die Infrastruktur, die von vielen verschiedenen, starken Unternehmen realisiert wurden, die nicht direkt von der Krise betroffen wurden. Es ist so, dass die globale Wirtschaft eine Rezession erlebt hat. Das heißt aber nicht, dass alle Unternehmen von dieser Rezession betroffen sind. Sie haben die Erfahrung auch hier in Deutschland gemacht oder machen können, dass ein Teil der starken Unternehmen es geschafft haben, ihre Finanzkraft zu behalten. Das zeigt auch die Seriosität der albanischen Unternehmen, weil sie auch gewusst haben, dass sie mit seriösen Unternehmen im Bereich der Infrastruktur zusammengearbeitet haben. Das ist möglicherweise ein wichtiger Grund, dass wir in den Schuldenabbau mit den Banken, mit denen wir zusammengearbeitet haben, weiter ernsthaft investiert haben.

Ich denke, dass das Klima der Reformen, dass die Reformen der entscheidende Grund sind. Reformen kann man vielleicht als virtuelles Terrain betrachten, aber sie waren sehr dynamisch. Sie waren sehr klug gemacht und haben dazu geführt, der Wirtschaft ein sehr liberales Umfeld zu geben. 

Ich wiederhole noch einmal: Die Unternehmen, die in Albanien investiert haben und die weiterhin investieren werden, sind seriöse Unternehmen. Sie haben gezeigt, dass sie es erfolgreich schaffen konnten, die Krisenwellen zu überwinden.

Ein anderes Element, das Netzwerk der Banken, das in Albanien handelt, hat eigene Garantien abgegeben. Sie waren sehr professionell in ihrer Arbeit und sind nicht in Panik verfallen. Sicherlich gab es einen Rückgang bei den Krediten, aber das wurde aus Sicherheitsgründen getan. Bei diesen Operationen muss man dies tun. Jetzt gibt es den Schritt der Liberalisierung und das ist die Fähigkeit der Bankinstitutionen, sozusagen gleichmäßig mit den Bedingungen des Marktes mitzugehen.

G.-Michael Raabe: Meine Damen und Herren, das war die erste Frage, die wir beantwortet bekommen haben. Eine weitere Frage hat Herr Müller gestellt. Ich möchte das aufgreifen und fragen, ob wir das noch ein wenig vertiefen können. Es wurde gefragt: "Wann und in welchem Umfang sind denn deutsche Unternehmen an den Infrastrukturprojekten beteiligt? Warum sind die deutschen Unternehmen bei den Infrastrukturprojekten so wenig dabei? Woran liegt das?" Gibt es dazu eine Antwort?

Bamir Topi: Vielleicht gibt es hier keinen, der diese Frage beantworten könnte. Ich habe jetzt einige Beispiele an Unternehmen vor Augen wie die Nordstraße, die Lezhe mit Shkodra verbindet. Soweit ich informiert bin, ist diese Straße von einem deutschen Unternehmen gebaut worden. Aber natürlich halten wir dies auch für ausbaufähig.

Die Qualität jedoch der Arbeit sieht man. Es ist eine Qualität, die nur von einem deutschen Unternehmen kommen kann. Das sollten wir hier natürlich auch erwähnen. Die anderen Punkte haben mit der Wettbewerbsfähigkeit zu tun. Wenn die deutsche Wirtschaft vielleicht noch etwas präsenter wäre, wäre die Wahrscheinlichkeit größer. Ich lade Sie ein, in Albanien noch präsenter zu werden.

G.-Michael Raabe: Nebenbei ein kleines Lob für das gute alte „Made in Germany“, aber diesmal dann in Albanien. Weitere Fragen? Neuer Themenbereich?

Dr. Hanno Stöcker: Herr Präsident, Dreh- und Angelpunkt einer jeden erfolgreichen Volkswirtschaft ist der Umgang mit dem Thema Energie. Meine Frage wäre, wie der Umgang mit dem Thema Alternative Energien in Albanien ist und welche Rolle das Thema Energieeffizienz spielt?

Bamir Topi: Vielen Dank für die Frage. Es ist eine sehr interessante Frage. Alle Länder arbeiten heute daran, neue alternative Energiequellen zu erschließen. Bei uns ist das auch ein Thema, ein sehr präferiertes Thema. Für uns ist die Wasserkraft traditionell eine Grundlage, weil die Anforderungen in Albanien wegen der begrenzten Möglichkeiten, die wir in unserer Wirtschaft haben, insbesondere auch damals in der zentralisierten Wirtschaft, immer auf die Wasserressourcen ausgerichtet waren. Diese waren damals ausreichend. Heute sind sie wichtig, aber nicht ausreichend. 

Alternative Energiequellen werden heute neben den großen Wasserkraftwerken als umweltverträgliche Quellen angesehen. Jetzt werden wir uns sozusagen nach den lokalen Quellen umschauen müssen. Bei kleineren Wasserkraftwerken gibt es - soweit ich weiß - eine große Anzahl von Projekten, die im ganzen Territorium von Albanien gebaut werden. Über die Erzeugung von Energie aus kleinen Wasserkraftwerken kann der Verbrauch in den kleinen Gemeinden in Albanien gedeckt werden.

Es gibt Interesse für Sonnenenergie. Albanien bietet sehr optimale Bedingungen für die Akkumulierung von Sonnenenergie. Es gibt eine sehr lange Zeit von 270 bis 300 Tagen, die im Jahr mit Sonne belohnt werden. Es bietet sich an, auch auf diesem Gebiet, der Sonnenenergie, mehr Freiraum für Investitionen zu eröffnen. Albanien hat auch Interesse für die Windenergie. Es gibt einige Regionen, die diese Möglichkeiten bieten. Angesichts dieser Bedingungen - Albanien ist ein kleines Land und hat eine kleine Bevölkerung von vier Millionen Einwohnern - ist die Nutzung von alternativen Quellen eine Notwendigkeit.

In der letzten Zeit wird über die Möglichkeit der Nutzung von Atomenergie diskutiert. Das ist zunächst natürlich einmal nur eine Diskussion, die weiter fortgeführt wird. Es gibt keine Entscheidung darüber. Es ist keine Initiative, die eine sehr moderne Technologie erfordert. Ich habe das deswegen erwähnt, weil wir über alternative Quellen sprechen. Es ist aber nicht der Moment hierfür, weil dies natürlich viele Debatten auslösen würde.

Es ist eine Entscheidung, die dann politisch getroffen werden muss. Es ist nicht die Frage der Versorgung aktuell, sondern eine Perspektive. Wir sind ein Land, das in Richtung Europäische Union blickt, auch was die Fragen der Energie anbelangt. Das muss mit der Politik der Länder der Europäischen Union harmonisiert werden.

G.-Michael Raabe: Wir kommen nun zur letzten Fragenrunde. Wenn noch jemand weitere Fragen stellen möchte, bitte.

Helmut Hauser: Ich bin seit vielen Jahren in Albanien tätig und bin auch mit einem kleinen Büro dort vertreten. Meine Frage zielt in Richtung Bildung: Welche Zielsetzungen haben Sie bezüglich der Bildung? Wenn sich Wirtschaft potenzieren soll, entwickeln soll, braucht es gut ausgebildete Menschen vor Ort. Das duale Bildungssystem in Deutschland ist sehr einmalig in der Welt. Haben Sie Gedanken vielleicht in dieser Richtung mit Deutschland zu kooperieren?

Bamir Topi: Auch dies ist eine sehr interessante Frage. Ich denke, die Bildung ist der Schlüsselfaktor für die Wirtschaft. Sie haben einen Punkt angesprochen, der für uns sehr wichtig ist. Zusammen mit verschiedenen Reformen in unterschiedlichen Gebieten haben wir auch die Reform im Bildungsbereich vorangetrieben. 

Um das noch konkreter zu machen: Seit zwanzig Jahren, so lange wie wir also die Möglichkeit haben, uns in Freiheit und Demokratie auszutauschen, haben wir einen bestimmten Bezug zu Deutschland auf verschiedenen Ebenen. Was die Kommunikation im Bereich der wissenschaftlichen Institutionen der Universitäten anbelangt und der Ausbildung auf anderen Gebieten, so ist es für die Albaner eine sehr wichtige Möglichkeit, mit deutschen Institutionen zusammenzuarbeiten - auch wenn dezentralisiert. Die Einrichtungen in Albanien unterstehen aktuell nicht einer zentralen Ebene, sondern einem eher regionalen Bereich. So wäre es eine sehr interessante Chance für die Albaner, Qualifizierungen von diesen Institutionen mitzunehmen.

Anerkennung für das Engagement von Präsident Topi für seine Ansprache und sein Werben für Albanien

Viele Menschen, die heute in der Verwaltung tätig sind, mit sehr guten Ausbildungen, haben ihre Ausbildung in Deutschland erhalten. Ein Teil davon, auch wenn dieser in Deutschland arbeitet, hält die Verbindung mit Albanien aufrecht und nutzt die Kommunikation, die für uns sehr wertvoll ist.

Es ist für uns wie ein Hafen oder der wie eine Tür, die immer weiter geöffnet werden muss. Für die jungen Leute, für Studenten und auch für Studenten, die postuniversitär Studiengänge belegen, ist dies für ihre Zukunft sehr interessant. Von vielen Ländern nehmen wir Deutschland als ein Land wahr, in dem der Bildung ein sehr großes Gewicht beigefügt wird. Nicht nur die staatlichen, sondern auch die privaten Schulen sind sehr wichtig und wir schauen in diese Richtung mit großem Interesse.

G.-Michael Raabe: Gibt es noch weitere Fragen? 

Klaus-Peter Gerstberger: Energie ist für Albanien der Engpass in der wirtschaftlichen Entwicklung. Vor etwa fünf Jahren stellte die Bundesrepublik Deutschland zehn Million Euro zur Verfügung für die Absicherung einer Kreditgarantielinie für Klein- und Wasserkraftwerke. Von diesen zehn Millionen Euro ist bis heute, fünf Jahre danach, noch nicht ein Euro verbraucht. Wie erklären Sie das?

Bamir Topi: Vielen Dank für die Frage! Ich kann nicht behaupten, dass ich über alle Informationen für den konkrete Sachverhalte hier verfüge. Ich kann aber auch nicht sagen, dass ich ohne Informationen hier bin. Ich habe ja eben versucht zu erklären, dass es viele Projekte gibt. Soweit ich weiß, gibt es über sechzig Projekte, die im Bereich der Wasserkraftwerke im Wettbewerb stehen, die auch mit den Kleinwasserkraftwerken zu tun haben. Ich habe den Eindruck, dass die Verfahrensabläufe zu diesen aktuell vor dem Abschluss stehen, und wenn dies passiert ist, dass es dann auch zur Realisierung kommen wird, vielleicht auch miteinander abgestimmt. Ich denke, dass dieser Prozess läuft. Vielleicht haben Sie zu diesen Fragen konkreter Informationen, die zur Aufhellung des Sachverhaltes beitragen können. 

G.-Michael Raabe: Ich schlage vor, diese Frage im bilateralen Gespräch nachher fortzuführen. Ich denke, wir sind jetzt auch mit dem Zeitplan so weit vorangeschritten, dass wir uns nun bei der Rednerin und den Rednern, insbesondere bei Herrn Präsidenten Topi, zu bedanken haben. 

Wir haben ein einheitliches, sehr interessantes Bild über ein Land mit einer sprunghaften Entwicklung erhalten. Es war nicht nur die Promotion des Präsidenten selber, sondern es waren auch die Fachleute, die es genauso bestätigt haben. Es ist ein Land, was in den letzten zwanzig Jahren ständig steil bergauf schreitet und wir können Ihnen nur wünschen, dass diese Entwicklung genauso weitergeht.

Es stand die Frage im Raum, ob wir es hin kriegen, dass wir nochmals eine Verdoppelung des Handelsvolumens hinbekommen und eine deutliche Steigerung der Investition seitens Deutschlands in diesem Land und natürlich auch im Tourismus. Es sind viele Infrastrukturmaßnahmen mittlerweile in Albanien durchgeführt. Das Land lädt ein. Wir sollten wirklich alle dahin kommen. 

Nikolin Jaka (überreicht ein Gastgeschenk an Hans-Jürgen Müller): Das ist ein Geschenk der Industrie- und Handelskammer, es ist das Tor über das der Präsident der Republik Albanien gesprochen hat. Es ist von einem Künstler in Albanien geschaffen worden, und es ist ein Geschenk für Herrn Müller, den Präsidenten der Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft.

G.-Michael Raabe: Meine Damen und Herren, nun dürfen wir die Gastfreundlichkeit des Hauses in Anspruch nehmen: eine Etage tiefer gibt es eine Kleinigkeit zur Trinken und etwas zu Naschen. Auch können wir die Möglichkeit zu bilateralen Gesprächen nutzen so lange, wie die Delegation noch bei uns ist. Herr Präsident Topi hat zugesagt, noch ein wenig dabei zu sein, vielleicht auch noch im bilateralen Gespräch das Eine oder Andere zu vertiefen.

Vielen Dank Ihnen noch mal allen!

Kammerpräsident Nikolin Jaka 
dankt DAW-Präsident Hans-Jürgen Müller

 

 

Die Forumsveranstaltung Albanien fand mit der Unterstützung folgender Unternehmen statt:

Commerzbank Logo