Deutsch - Albanische Wirtschafts-

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DAW-Präsidium trifft Südosteuropa-Parlamentarier

Die politische und wirtschaftliche Lage in Albanien stand im Mittelpunkt eines neuerlichen Gesprächs mit Repräsentanten der Südosteuropa-Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages mit Seiner Exzellenz Valter Ibrahimi, Botschafter der Republik Albanien, Andrea Gebbeken, Präsidentin der Deutschen Industrie- und Handelsvereinigung in Albanien (DIHA), das auf Einladung des DAW-Präsidiums stattfand. DAW-Präsident Hans-Jürgen Müller begrüßte zum Gespräch den Vorsitzenden der Südosteuropa-Parlamentariergruppe Peter Weiss (CDU) sowie die Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter (CDU), Josip Juratovic (SPD) und Wolfgang Neškovic (Die Linke) sowie Cordula Klinger vom Sekretariat der Parlamentariergruppe. Als weitere Gäste hieß DAW-Präsident Müller Antje Leendertse, für Albanien zuständige Referatsleiterin im Auswärtigen Amt, sowie Helge Tolksdorf, für Albanien zu­ständiger Referatsleiter im Bundesministe­rium für Wirtschaft und Technologie, willkommen. Die DAW war vertreten durch Vizepräsident Thomas Wittstadt sowie die weiteren Präsidiumsmitglieder Hans H. Ahlfeld, Majlinda Caci, Dr. Peter Spary, Anduena Stephan und Geschäftsführer Michael Alber.

 

 

Botschafter Ibrahimi hob in seinem Eingangsstatement zur politischen Lage hervor, dass die Kommunalwahlen, die jüngst im Mai stattgefunden haben, die bislang fairsten und transparentesten gewesen seien. DAW-Präsident Müller führte an, dass die albanische Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs sei, Exporte und Importe würden wieder boomen. Kritisch betrachtete er allerdings, dass auf Grund der schwierigen Lage des öffentlichen Haushaltes Rückzahlungen von zu viel gezahlter Umsatzsteuer mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden seien. Er begrüßte, dass die albanische Regierung eine vorgesehene zusätzliche Progressionsbesteuerung auf Gewinne wieder zurückgezogen habe.

DIHA-Präsidentin Gebbeken stellte die Deutsche Industrie- und Handelsvereinigung in Albanien vor und sprach zur wirtschaftlichen Lage in Albanien an, dass die Finanzkrise auch in Albanien angekommen sei. Diese habe insbesondere den Einzelhandel auf Grund der eingebrochenen Überweisungen von im Ausland lebenden Albanern in ihre Heimat getroffen. Als Erschwernis für wirtschaftliche Aktivitäten sprach sie die fehlende Verlässlichkeit von Verträgen an. Zur geplanten Progressionsbesteuerung auf Gewinne machte sie deutlich, dass sich hiergegen starker Widerstand der Wirtschaft in Albanien formiere. Sie machte aber deutlich, dass dies für an Albanien Interessierte Unternehmer kein Hemmnis sei, nach Albanien zu kommen, um sich einen Eindruck von den Perspektiven zu machen.

Vorsitzender Weiss sprach Verständnis für die schwierige politische Lage in Albanien, zugleich aber auch seine Überraschung über die Heftigkeit der Reaktionen vom Januar 2011 in Albanien an. Er bestärkte vor diesem Hintergrund, dass die Präsentation des Landes wichtig für die wirtschaftlichen Beziehungen sei. Abgeordneter Kiesewetter unterstrich die Zielsetzung, dass Albanien auf mittlere Sicht Mitglied der Europäischen Union werden müsse. Er sprach jedoch auch die Lage im Parlament an und bedauerte, dass deshalb wichtige EU-Gesetze nicht verabschiedet werden könnten. Als weitere relevante Themen nannte er den häufigen personellen Wechsel in der öffentlichen Verwaltung, die Energieversorgungslage, die bestehende Flat-Tax sowie die Visa-Liberalisierung.

Zur Visa-Liberalisierung merkte DAW-Präsident Müller an, dass diese mit einem Schub an Erwartungen, aber auch an Möglichkeiten aus Sicht der Wirtschaft verbunden sei. Die Visa-Liberalisierung ermögliche nun auch albanischen Unternehmern an Messen in der Europäischen Union teilzunehmen und Kontakte zu Geschäftsleuten zu entwickeln wie dies Standard beispielsweise in Deutschland sei. DIHA-Präsidentin Gebbeken hob hervor, dass die Visa-Liberalisierung zu keiner substanziellen Verschiebung der Reisegepflogenheiten in Albanien geführt habe. Nach ihren Informationen habe sich das Verhältnis von Reisen nach Albanien zu Reisen ins Ausland von etwa 70 zu 30 auf lediglich etwa 60 zu 40 verändert. Hierin spiegle sich insbesondere die Situation, dass es nun den Albanern möglich sei, ihre im Ausland lebenden Verwandten zu besuchen. Die Visa-Liberalisierung würde von den Menschen in Albanien auch als „Belohnung für das Volk“ angesehen, daher würden sich die Albaner auch diszipliniert an die Regeln halten, so Gebbeken weiter. Zur Flat-Tax führte sie an, dass diese zwar nur 10 Prozent betrage, aber andererseits auch nur wenige, limitierte Abzugsmöglichkeiten bestünden. Die Besteuerung sei daher nur schwerlich vergleichbar.

Angesprochen wurde weiterhin, dass die Gesetze in Albanien auf modernem Stand seien, allerdings Probleme in der Umsetzung bestünden. Botschafter Ibrahimi merkte an, dass das Gerichtssystem sicherlich noch nicht perfekt sei, Albanien arbeite jedoch an den erforderlichen Anpassungen. Er machte zugleich deutlich, dass das albanische Gerichtssystem unabhängig sei und keiner politischen Einflussnahme unterliege, auch wenn von Institutionen und Interessensgruppen Druck ausgeübt werde. Das Gerichtssystem sei von politischen Entscheidungen unabhängig - sowohl betreffend Zivilrecht als auch das Wahlrecht.

Ein kritischer Blick wurde von Herrn Abgeordneten Juratovic auf die Arbeitslosigkeit, insbesondere von Akademikern, in Albanien geworfen. Junge Menschen in Albanien würden sehr viel Motivation zeigen, aber kaum entsprechende Perspektiven erhalten. DAW-Präsident Müller merkte hierzu an, dass in Albanien wie auch in anderen Ländern der Welt kein junger Mensch gerne sein Land verlasse, diese sich aber dafür entscheiden, dorthin zu gehen, wo sie auch ein auskömmliches Einkommen verdienen können. Eine steigende Zahl an Rückkehrern zeige, dass es nicht nur eine große Bereitschaft gebe, sich in Albanien zu engagieren, sondern auch, dass das Gehaltsniveau in Albanien steige, was eine Rückkehr attraktiver mache.

Zum Abschluss des Gespräches dankte Botschafter Ibrahimi insbesondere für die Unterstützung des Deutschen Bundestages für die Förderung der Entwicklung in Albanien. Er machte mit Blick auf einen in der Gesprächsrunde angesprochenen Vergleich mit anderen Ländern der Region deutlich, dass Albanien die schlechteste Infrastruktur geerbt habe. In den vergangenen Jahren habe Albanien aber unvorstellbare Verbesserungen erreichen können, auch wenn die aktuelle Situation noch nicht mit anderen Ländern vergleichbar sei.

DAW-Präsident Müller griff den abschließend den Hinweis auf den Wunsch von MdB Juratovic, Ausgangsbedingungen zu schaffen, die Geschäftskontakten auf gleicher Augenhöhe ermöglichen, dahingehend auf, dass Albanien in die Freihandelszone der Region CEFTA eingebunden sei sowie die Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen zu einer Stabilisierung und Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung auf dem Balkan führe. In Fragen der Investitionstätigkeit, der Infrastruktur, der Energieversorgung und des Straßenwesens sei eine positive Entwicklung in Gang gekommen. Erfreulich sei auch, dass der Funke auf den Privatsektor übergesprungen sei, so Müller weiter. In der Verwaltungsgerichtsbarkeit und der Finanzgerichtsbarkeit bestünden Mängel, deren Behebung gegenwärtig aber politisch blockiert würde. Er appellierte, dass es Albanien möglicht bald gelinge möge, den EU-Prozess wieder in Gang zu bringen.