|
Forum
Albanien 2008:
„Politische und wirtschaftliche Perspektiven für Albanien“
Anlässlich
des Besuchs von Herrn Prof. Dr. Sali Berisha, Premierminister der
Republik Albanien, in Berlin am 8. Oktober 2008 führte die DAW
gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und der
Botschaft der Republik Albanien in Berlin eine Forumsveranstaltung in
der Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, Jägerstraße
1-3, 10117 Berlin durch, in deren Mittelpunkt die Ansprache von
Premierminister Berisha stand. Diese
Publikation gibt den Wortlaut der Reden und Impressionen der
Veranstaltung wieder.
Begrüßung
Franz
Klein
Leiter der
Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg
beim Bund in Berlin
Meine Damen und Herren,
im
Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg möchte ich Sie,
Herr Premierminister Professor Berisha, sowie die Mitglieder Ihrer
Regierung, den Minister für Auswärtiges, den Minister für
Wirtschaft und den Minister für Finanzen, sowie den Geschäftsträger
Ihrer Botschaft in Deutschland, ganz herzlich hier in der
Hamburg-Vertretung beim Bund begrüßen. Ich begrüße auch den Präsidenten
und den Geschäftsführer der Deutsch-Albanischen
Wirtschaftsgesellschaft, die Herren Müller und Alber, sowie Herr
Wolfhart Putzier, den Vizepräsidenten des Deutschen Groß- und Außenhandels
und Geschäftsführer eines traditionsreichen hanseatischen
hamburgischen Handelshauses.
Meine
sehr geehrten Damen und Herren, wir freuen uns sehr, dass das Forum über
politische und wirtschaftliche Perspektiven für Albanien heute hier
in unserem Hause stattfindet und wir einen so prominenten Redner wie
den Premierminister der Republik Albanien zu Gast haben.
Hamburg,
meine Damen und Herren, ist die Metropole des Außenhandels in
Deutschland, und wenn ich richtig informiert bin, konnten Sie sich,
Herr Außenminister, im November 2006, damals noch als
Verkehrsminister, bei Ihrem Hamburg-Besuch vor Ort von der Dynamik und
Leistungsfähigkeit sowie, und ich glaube, das ist für die heutige
Veranstaltung auch wichtig, der internationalen Orientierung unserer
Stadt überzeugen.
|
 |
Der Premierminister hat mir eben gesagt, dass er in
einer früheren Funktion, nämlich als Präsident seines Landes, auch
schon in Hamburg zu Besuch war. Also meine Damen und Herren, wir sind
hier unter hanseatischen Kennern und Freunden.
Meine
Damen und Herren, die wirtschaftlichen Beziehungen, darauf möchte ich
noch kurz hinweisen, zwischen Albanien und Hamburg, zeigen eine sehr
erfreuliche Entwicklung. War der Import aus Albanien im Jahre 2005
noch bei einem Wert von rund 180 Tausend Euro, so ist das bis zum
Jahre 2007 immerhin schon auf 3,2 Millionen Euro gestiegen - eine
erstaunliche Steigerung. Auch die Exportzahlen sind im gleichen
Zeitraum von 860 Tausend Euro auf über 1,3 Millionen Euro gestiegen.
Was auch eine erfreuliche Zahl und ein Zeichen der Zusammenarbeit ist,
nämlich dass von den rund einhundert im Albanien-Handel tätigen
Hamburger Unternehmen heute bereits vier eigene Niederlassungen in
Albanien unterhalten.
Sehr
erfreulich ist auch, dass sich die vertiefende Zusammenarbeit zwischen
der Hamburg-Port-Consulting, einem der weltweit führenden und
angesehensten Unternehmen für Hafenentwicklung und der Durres
Port-Authority positiv entwickeln. Ich denke, es wäre zum Vorteil
beider Seiten, wenn diese Zusammenarbeit möglichst bald in eine
konkrete vertragliche Vereinbarung münden würde. Der Senat würde
das sehr unterstützen und ich habe im Vorgespräch auch schon
erfahren, dass diese vertragliche Vereinbarung möglichst bald
unterzeichnet werden soll.
Ich
erhoffe mir, wir erhoffen uns von Ihrem Besuch, Herr Premierminister
und den Mitgliedern Ihrer Regierung und dem heutigen Forum, eine
weitere Vertiefung der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen
Zusammenarbeit zwischen Albanien und Deutschland, und als Hamburger
darf ich hinzufügen auch zwischen Albanien und der Freien und
Hansestadt Hamburg. Wir alle danken Ihnen nochmals, dass Sie den Weg
hierher gefunden haben und sind sehr gespannt auf Ihren Vortrag, aber
zunächst darf ich Herrn Putzier noch das Wort erteilen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Eröffnung
Wolfhart
Putzier
Vizepräsident
des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels e. V.
Sehr
geehrter Herr Premierminister Berisha, sehr geehrter Herr Klein,
Exzellenzen, meine Damen und Herren,
zum Forum „Albanien“ in der Vertretung der Freien und
Hansestadt Hamburg möchte ich Sie, sehr geehrter Herr Premierminister
Berisha und Ihre Delegation, Herrn Außenminister Basha und Herrn
Finanzminister Bode, im Namen der Deutschen Wirtschaft und als
Hamburger Unternehmen sehr herzlich persönlich begrüßen.
Die langjährige wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen
Deutschland und Albanien, über die gegenwärtig auf Arbeitsebene
zwischen beiden Regierungen Gespräche in Tirana geführt werden, war
für die Deutsch-Albanische Wirtschaftsgesellschaft und den
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ein wichtiges Anliegen, anlässlich
ihres Besuchs in Berlin bei Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel, Außenminister
Steinmeier und Wirtschaftsstaatssekretär Schauerte eine Plattform für
den Dialog zu schaffen. Die Resonanz zeigt: es gibt ein großes
Interesse an den politischen und wirtschaftlichen Perspektiven
Albaniens.
 |
Meine
Damen und Herren, vor wenigen Tagen ist die Deutsche Einheit „volljährig“
geworden. Am 3. Oktober 2008 blickten wir bei einem Festakt
in Hamburg auf den 18. Geburtstag des wiedervereinten
Deutschland.
Deutschland
und dabei gerade auch Hamburg haben sich den wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Herausforderungen aus der Überwindung der Teilung
gestellt und sind in den vergangenen Jahren moderner geworden. Wir
verdanken dies gerade auch der Bereitschaft zu Veränderungen.
|
Gerade
das Beispiel Hamburg zeigt grundlegende Parallelen wie auch
Perspektiven auf. Menschen und Unternehmen mussten sich in beiden Ländern
dem wirtschaftlichen Wandel nach der Überwindung der Teilung Europas
stellen.
Bis
Ende der neunziger Jahre nahm Hamburg eine geografische Randlage im
geteilten Kontinent Europa ein. Heute ist Hamburg ein wichtiges
Wirtschafts-Tor nach Osteuropa. Der Hamburger Hafen nimmt dabei eine
sehr bedeutende Rolle ein. Dies ist kein Zufall, sondern es ist das
Ergebnis einer vorausschauenden Politik und zukunftsorientiertem,
wirtschaftlichem Handeln.
Über
viele Jahre war Hamburg das maritime Tor zu Deutschland und seinem
Hinterland in Ost- und Südosteuropa, dann wurde es durch den Eisernen
Vorhang von seinem wirtschaftlichen Hinterland abgeschnitten. Heute
ist Hamburg als einer der größten und bedeutendsten Häfen in Europa
wieder dabei, seine wirtschaftlichen Beziehungen nach Ost- und Südosteuropa
zu festigen und weiter auszubauen.
Auch
Albanien war über viele Jahre von seinen Nachbarn isoliert.
Potentiale für die Region wurden nicht oder nur unzureichend genutzt.
Nach dem Zusammenbruch der planwirtschaftlichen Ordnung stellte sich
auch für Albanien die Frage nach den wirtschaftlichen Perspektiven
aus dem Wandel neu.
Der
heutige Ort für das Forum „Albanien“ hier in der Vertretung der
Freien und Hansestadt Hamburg könnte vor diesem Hintergrund kaum
besser gewählt sein.
Aufgrund
seiner wirtschaftsstrategischen Lage auf dem westlichen Balkan kann
Albanien seine günstige Ausgangslage nutzen, sich zum zentralen
Zugang zum westlichen Balkan zu entwickeln. Die Ausgangsbedingungen
sind günstiger denn je.
Meine
Damen und Herren, Albanien verzeichnet seit der Jahrtausendwende ein
stabiles Wachstum von fünf bis sechs Prozent und ist damit
Wachstumszentrum des westlichen Balkan. Unterstützt wird diese Aufwärtsentwicklung
durch den konsequenten politischen Reformkurs und seit 2006 durch das
Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen zwischen Albanien und der
Europäischen Union. Wir können daher heute auf beachtliche
Fortschritte Albaniens blicken.
Attraktive
Rahmenbedingungen sind entscheidender Dreh- und Angelpunkt für
Investitionen und Handel. Die Einführung der niedrigen steuerlichen
Flat Rate jeweils für Unternehmensgewinne und die übrigen Einkünfte,
die Etablierung eines „One-Stop-Shops“ zur Anmeldung von
Unternehmen sind nur zwei Beispiele, die die Wettbewerbsfähigkeit
Albaniens im Wettbewerb um Handel und Investitionen steigern. Damit
wurden entschlossene und mutige Signale der Modernisierung gesetzt.
Investitionen
und Handel bieten jedoch mehr Perspektiven, als es die aktuellen Daten
ausweisen, gerade auch für die deutsch-albanischen Beziehungen. Das
Außenhandelsvolumen zwischen Deutschland und Albanien ist zwar gegenüber
2005 um über 7 Prozent auf 147 Millionen Euro gestiegen.
Ich bin als passionierter Außenhändler fest davon überzeugt, dass
die bestehenden Potentiale noch lange nicht ausgeschöpft sind. Mehr
ist möglich!
Mit
gezielten Investitionen in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, der
Modernisierung der Energieversorgung und der Errichtung von
Entsorgungsstrukturen für Müll und Abwasser werden wichtige
Modernisierungen vorangebracht, die ein wichtiger Entscheidungsfaktor
bei Investitionen und Handel sind. Das im vergangenen Jahr
eingeweihte, neue Flughafenterminal ist nicht nur ein bedeutendes
Leuchtturmprojekt der Kooperation zwischen Albanien und Deutschland,
sondern gerade auch ein sichtbarer Ausdruck eines modernen Albaniens.
Mit
der konsequenten Modernisierung der Infrastruktur kann Albanien auch
Vorteile aus der Globalisierung ziehen. Wir erleben erste Signale,
dass die Globalisierung weiterzieht. Staaten wie China, Indien oder
Russland sind wichtige Antriebskräfte der Weltwirtschaft, allerdings
sorgen anziehende Löhne und steigende Preise u. a. für Ölerzeugnisse
und andere Rohstoffe für steigende Kosten.
Für
Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen und daher ihre
Kosten optimieren müssen, werden dadurch gerade Länder zunehmend
interessant, die bislang nicht im Wettbewerb um Investitionen und Märkte
im Fokus standen. Albanien ist so heute bereits ein Geheimtipp für
Lohnveredelungsprozesse beispielsweise bei Textilien und Schuhen. Und
es bietet neben Kooperationen im privaten Unternehmensbereich vielfältige
Investitionsmöglichkeiten im Bereich der öffentlichen Infrastruktur.
Mein
Appell: Lassen Sie uns die Chancen der attraktiven Rahmenbedingungen
und der Modernisierung der Infrastruktur nutzen, die bilateralen
Handels- und Wirtschaftsbeziehungen auszubauen. Mit der Fortführung
der Wirtschaftskonferenz des vergangenen Jahres durch die
Branchenkonferenz in Tirana vom 20. bis 22. Oktober 2008 wird ein
wichtiger Beitrag dazu geleistet.
Die
Themen Energieversorgung, Umweltschutz und energiesparendes Bauen sind
wegweisend. Sie setzen Schwerpunkte, die umfangreiche Potentiale für
Kooperationen von Unternehmern beider Länder eröffnen.
Die
Gründung der Deutschen Industrie- und Handelsvereinigung in Tirana
– mit Unterstützung von Wirtschaftsverbänden aus Deutschland und
des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie - ist ein
weiterer Schwerpunkt zum Ausbau der bilateralen Kooperation. Damit
erhalten die an bilateralen Kontakten interessierten Unternehmer und
Unternehmen einen unmittelbaren Ansprechpartner für
Unternehmenskooperationen vor Ort.
Wir
sind überzeugt, dass die Branchenkonferenz erneut das große
Interesse am Ausbau der bilateralen Kooperationen unterstreicht. Wir
laden Sie alle, meine Damen und Herren, zur Teilnahme an dieser
Branchenkonferenz ein.
Und
wir bestärken die albanische Politik darin, ihre Reformpolitik
fortzusetzen. Die jüngsten Berichte der Europäischen Union und der
Weltbank zu den Reformerfolgen Albaniens dokumentieren die vielfältigen
Fortschritte Albaniens.
Wir
sind nun sehr gespannt auf die politischen und wirtschaftlichen
Perspektiven für Albanien, die hieraus erwachsen und die Sie, Herr
Premierminister, uns jetzt vorstellen werden.
Herr
Premierminister Berisha, Sie haben das Wort!
Ansprache
Prof. Dr. Sali Berisha, Premierminister der Republik Albanien
(Übersetzung
der Ansprache in albanischer Sprache von Ernal Filo)
Sehr geehrter Herr Klein, sehr geehrter Herr Putzier, sehr geehrter
Herr Müller, meine Herren Minister, sehr geehrte anwesende Geschäftsleute
aus Hamburg und Berlin,
zuerst
möchte ich mich bei Ihnen ganz herzlich für diese ausgezeichnete Möglichkeit
bedanken, die Sie mir geben, um hier vor Ihnen über die Anstrengungen
Albaniens zur Umwandlung in ein attraktives Land für ausländische
Investoren und Investitionen zu berichten.
Heute hatte ich sehr wichtige Termine. Ich hatte ein sehr
herzliches Zusammentreffen mit Frau Bundeskanzlerin Merkel und
ebensolche Termine mit Herrn Auβenminister Steinmeier sowie im
Bundeswirtschaftsministerium. Ich möchte in diesem Zusammenhang das
betonen, was Frau Bundeskanzlerin Merkel auch sagte, nämlich, dass
die Beziehungen zwischen unseren Ländern ausgezeichnet sind. In der
Tat sind unsere Beziehungen ausgezeichnet.
|

|
Der
Beitrag der deutschen Steuerzahler und die Unterstützung der
Bundesregierung sowie die Anstrengungen der Albaner zum Aufbau der
Marktwirtschaft und der Demokratie sind von großer Bedeutung. Ich
habe vor ein paar Minuten mit dem Vertreter von „Berlinwasser“
gesprochen. Er sagte mir, dass er große Unterschiede bei der
Wasserversorgung in Albanien feststellen könne. Kein anderes als Ihr
Land hat so zu diesen Veränderungen beigetragen.
|
Albanien
und die Albaner standen ganz oben auf der Agenda der Bundesregierung,
was die finanzielle Hilfe pro Einwohner betrifft. Die Albaner haben in
den vergangenen zwanzig Jahren über 700 Millionen Euro erhalten,
verteilt über Hunderte von Projekte, die alle Grundbedürfnisse der
Bevölkerung betrafen, wie Infrastruktur,
Energie- und Wasserversorgung, Abwasser und Umweltschutz, Bildung,
Kultur, die Wirtschaft, die öffentliche Ordnung und den Aufbau der
Armee.
Ich
bin überzeugt, dass alle die, die Albanien in den letzten zwanzig
Jahren öfter besucht haben, die großen Veränderungen in meinem Land
festgestellt haben. Bei diesen Veränderungen waren die Hilfe und die
Solidarität dieses freundlichen Landes, dieser freundlichen Nation
und der Bundesregierung ein sehr wichtiger Faktor.
Ich treffe mich heute mit großem Vergnügen mit Ihnen,
weil ich der Überzeugung bin, dass ich Ihnen eine veränderte, für
Ihre Investitionen sehr günstige albanische Realität vorstellen
darf.
Vor drei Jahren haben wir eine sehr schwierige
Ausgangssituation gehabt. Auf der einen Seite gab es das organisierte,
berüchtigte, aggressive, sehr reiche albanische Verbrechen, das wie
eine Mauer gegen Investitionen und Investoren stand.
Aus diesem Grund hatte mein Land die niedrigsten
Investitionen in der Region. Auf der anderen Seite gab es ein
kleptokratisches System auf höchstem Korruptionsniveau. Dies war
unter anderem auch ein Hindernis für ausländische und einheimische
Investitionen.
Meine Regierung engagierte sich für Null-Toleranz gegenüber
dem organisierten Verbrechen. Dies war unser Motto von Anfang an. Ich
kann Ihnen mit Freude mitteilen, dass Albanien heute eines der
sichersten Länder in Europa ist. In kürzester Zeit haben wir über
206 kriminelle Gruppen und Gruppierungen identifiziert. Wir haben
diesen den Boden unter den Füßen entzogen und sie vor Gericht
gebracht. Wir haben über 950 Mitglieder und Führer dieser
kriminellen Organisationen verhaftet und vor Gericht gebracht. Die
Verbrechensquote in Albanien ist niedriger als der Durchschnitt in den
Ländern der Europäischen Union.
Im Jahr 2004 wurde mein Land von 200 000 Touristen
besucht. Dieses Jahr haben rund 2,1 Millionen Touristen Albanien
besucht. Es gab keinen einzigen Zwischenfall. Für meine Regierung
hatte die Sicherheit Vorrang.
Die Korruption ist eine gefährliche Mauer für
Investitionen, aber gleichzeitig auch ein Faktor, der neben der
Tyrannei die Menschen am meisten ärmer macht. Genau hier haben wir
ernsthaft angesetzt.
Erstens haben wir die Verwaltung aus Interessenkonflikten
befreit. Keiner darf in meiner Verwaltung oder in meiner Regierung
arbeiten, wenn er sich in einem Interessenkonflikt befindet.
Zweitens haben wir neue Kriterien für die Arbeitsabläufe
in der Verwaltung ausgearbeitet - angefangen vom Büro des Ministerpräsidenten.
Öffentliche Mittel dürfen wirtschaftlich nicht für private und persönliche
Zwecke verwendet werden. Dies ermöglichte uns, die Kosten für die öffentliche
Verwaltung um ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu kürzen.
Drittens, während früher 70 Prozent der öffentlichen
Aufträge direkt vergeben wurden, fand in den Jahren 2007 und 2008
keine einzige direkte öffentliche Auftragsvergabe statt. In Albanien
gab es eine groβe Schattenwirtschaft. Steuerflucht und Schmuggel
waren mächtige Faktoren, die auf Korruption beruhten.
Wir haben eine grundlegende Steuerreform bzw.
Steuerrevolution mit dem Ziel eingeleitet, Albanien in das Land mit
der niedrigsten Besteuerung in Europa umzuwandeln. Wir haben die
Steuer für kleine Unternehmen um 50 Prozent reduziert. In der ersten
Woche nach meinem Amtsantritt haben wir die Gewinnsteuer von 25
Prozent auf 10 Prozent gesenkt. Wir haben die Einkommensteuer für
private Haushalte von 23 Prozent auf 10 Prozent gesenkt. Die
Sozialversicherungsbeiträge haben wir um 32 Prozent gesenkt und
werden diese weiter senken.
Was geschah? Folgendes geschah: Zu Beginn eines jeden
neuen Jahres erhöhen sich die Einnahmen des albanischen
Staatshaushalt um 22 Prozent. In den vergangenen drei Jahren haben
sich die Haushaltseinnahmen insgesamt um 68 Prozent erhöht. Wir haben
also 3,2 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen in den vergangenen
drei Jahren mehr vereinnahmt.
Wir haben viel zugunsten eines verbesserten Geschäftklimas
getan. Wir haben die Zeit für die Registrierung eines Unternehmens
von 42 Tagen auf nur einen einzigen Tag bzw. 30 Minuten verkürzt. Wir
haben die Kosten dafür von 3.000 Euro auf einen Euro gesenkt.
Wir haben die Gesetze zu Private Public Partnership, zum
Gesellschaftsrecht und zum Insolvenzrecht geändert, indem wir die
besten Standards in diesen Gesetzen verankert haben.
Welche Ergebnisse haben sich hieraus ergeben? Im diesjährigen
Bericht „Doing business“ erreichte Albanien wegen des Erfolges,
den die Reformen zum Geschäftsklima beigetragen haben, den zweiten
Platz in der Welt. Besonders zu erwähnen ist die Tatsache, dass
Albanien den zwölften Platz unter den betrachteten 180 Ländern
einnimmt, was den Schutz der Investitionen betrifft.
Einen genauso guten bzw. souveränen Platz erreicht
Albanien auch was die Kreditvergabe an die Wirtschaft bzw. die
Registrierung eines Unternehmens betrifft. Für die Steuerpolitik
bekommt Albanien 96 von 100 vergebenen Punkten. Ich möchte nicht
behaupten, dass Albanien ein Paradies ist, aber eine sichere und
dynamische Verbesserung des Geschäftsklimas ist wahrnehmbar.
Wir sind uns bewusst, dass die Infrastruktur noch ein
Hindernis ist, aber ich kann Ihnen mit Freude mitteilen, dass wir 32 Prozent
des Haushaltes für Investitionen in der Infrastruktur ausgeben und
dass Albanien innerhalb der nächsten drei Jahre ein neues und
modernes Straßennetz im ganzen Land haben wird.
Wir arbeiten an der Diversifizierung der
Energieversorgung, natürlich auf Basis von Private Public Partnership.
Albanien besitzt ein entwickeltes Bankensystem und ein wachsendes
Kommunikationsnetz. Wir arbeiten an die Wasserversorgung und an die übrige
Infrastruktur.
Der Kampf gegen die Korruption hat klare Ergebnisse
erbracht. „Transparancy International“ berichtet, dass die
Regierung Meister im Kampf gegen die Korruption war. Als wir die
Regierungsgeschäfte übernahmen, befand sich Albanien unter den 24
korruptesten Ländern der Erde. Dieses Jahr hat Albanien 95 Länder
der Erde hinter sich gelassen.
Mein Ehrgeiz und mein Ziel gehen dahin, einen Platz unter
den 24 korruptionsfreiesten Ländern zu erreichen. Meine bescheidene
Erfahrung sagt, dass ich meinem Land, den Investitionen und dem Geschäftklima
in meinem Land mit nichts anderem mehr helfen kann als mit dem Kampf
gegen die Korruption. Ich bin hierzu entschlossen und glaube an diesen
Kampf.
Wir sind dabei, die Gesamtwirtschaft erfolgreich zu
privatisieren. Wir haben die Telekommunikation und die
Raffinerieanlagen bereits privatisiert. Der Vertrag zur Privatisierung
der Stromverteilung im Energiesektor wird finalisiert. Es verbleiben
nur wenige Unternehmen, wie die Versicherung INSIG, die noch
privatisiert werden.
Ich hoffe, dass Albanien am 1. Januar 2009 das Land mit
dem geringsten Einfluss des Staates auf die Wirtschaft sein wird. Dies
war mein Ziel auch aus einem anderen Grund.
Was war unser Erbe aus der staatlichen Wirtschaft? Es war
ein vollständiges und totales Versagen in der Vergangenheit. Die aus
dem Sozialismus geerbten Wirtschaftsstrukturen waren ein echtes
Desaster. Nur der private Sektor kann dies am besten meistern. Mein
Ehrgeiz, so viel und so schnell wie möglich zu privatisieren, ist
nachvollziehbar.
Wir verfolgen einen liberalen Ansatz. Wir haben zwei
Drittel der Genehmigungen und Lizenzen aufgehoben. Die Verbleibenden
werden wir in einem Korb bündeln, dem sogenannten „One Stop
Shop“. In den ersten Monaten des nächsten Jahres wird der „One
Stop Shop“ für Genehmigungen und Lizenzen seine Tätigkeit
aufnehmen.
Wie kann man heute die albanische Wirtschaft bezeichnen?
Man kann sie als eine neue, dynamische und enthusiastische Wirtschaft
bezeichnen. Sie hat sich zu einer Wirtschaft entwickelt, deren Exporte
„Made in Albania“ im Vergleich zum vorherigen Jahr mit 42 Prozent
zugenommen haben. Sie ist eine Wirtschaft, die eine sehr gute
finanzielle Stabilität vorweist. Die Inflation beträgt 2,7 Prozent.
Das Wachstum in den letzten sechs Monaten erreicht 11 Prozent.
Diesen Fortschritt haben wir den ausländischen
Investitionen, den liberalen Regeln, die wir umsetzen, zu verdanken,
aber immer noch nicht den Ressourcen, die mein Land besitzt. Sie sehen
auf der Landkarte ein kleines Land, aber mit auβergewöhnlichen
Potenzialen für das „groβe Geschäft“.
Albanien weist eines der gröβten, ungenutzten
Potenziale für den Tourismus im Mittelmeer aus Es gibt ein schönes,
wundervolles, kulturelles und archäologisches Erbe, samt Sand- und
Felsküste von ungefähr 400 Kilometer.
Albanien ist reich an Wasser. Es können noch mindestens
400 Wasserkraftwerke gebaut werden. Die gröβten europäischen
Unternehmen, einschlieβlich RWE, beabsichtigen, in den Aufbau von
Wasserkraftwerken und in anderen Stromerzeugungsalternativen in
Albanien zu investieren.
Albanien besitzt enorme Rohstoffpotenziale. Albanien war
einer der weltgrößten Produzenten von Chrom. Es ist genauso reich an
Nickel, Kupfer und Eisen. Ich sage verkürzt, ein groβer Investor
findet dort ein kleines Land mit sehr groβen Möglichkeiten.
Wir sind dabei, die Infrastruktur auszubauen. Ich möchte
in diesem Zusammenhang einen sehr wichtigen Korridor, den Korridor
Durres-Prishtina, hervorheben. Dieser Korridor macht die Häfen
Albaniens zu den am schnellsten zu erreichenden Häfen für die Länder
einer sich von Sofia bis Novi Pazar erstreckenden Region.
Es ist eine Freude für mich, dass der Hafen von Hamburg
besonderes Interesse am Hafen von Durres bekundet hat. Ich freue mich
ganz besonders, dass die Niederlassung der Deutschen Bank in London
groβes Interesse für die Häfen in Albanien und andere Projekte
gezeigt hat. Ich versichere Ihnen, dass das Abkommen zwischen dem
Hafen von Hamburg und dem Hafen von Durres unterzeichnet wird. Ich
sehe der Zusammenarbeit zwischen den beiden Häfen mit Interesse
entgegen.
Ich
kann auch sagen, dass es in Albanien ausgezeichnete Beispiele
erfolgreicher Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen gibt. Ich kann
das Beispiel der HOCHTIEF AG erwähnen, die den internationalen
Flughafen von Tirana betreibt.
Wir
haben diesen Flughafen im vergangenen Jahr eingeweiht. Nach den
Prognosen sollte die zweite Ausbauphase des Flughafens erst nach dem
Jahr 2009 beginnen. Der Erfolg machte alle Prognosen hinfällig. Vor
drei Monaten haben Herr Kalenda und ich den Anfang für die zweite
Ausbauphase des Flughafens eingeweiht. Der Flugverkehr nahm um 22
Prozent gegenüber 5 Prozent im Durchschnitt des europäischen
Flugverkehrs zu.
Abschlieβend
möchte ich Sie freundschaftlich auffordern, Ihre Projekte ernsthaft
umzusetzen. Ich versichere Ihnen, dass das, was wir als Regierung
erreicht haben, lediglich ein Zwischenstop ist, weil die Regierung
weiterhin kraftvoll daran arbeiten wird, die Rahmenbedingungen für
Unternehmertum zu verbessern. In einigen Bereichen konnten wir Erfolge
erreichen, andere Bereiche gehen wir mit Aufmerksamkeit an, damit wir
auch dort schnell Verbesserungen erreichen können, wo noch
Handlungsbedarf besteht.
Ich
versichere Ihnen, dass die Investitionen in Albanien eine „Win-Win-Story“
sein werden, eine Story, mit der wir alle zusammen nur gewinnen können.
In Albanien haben Sie einen festen Freund, und dieser Freund ist die
Regierung der Republik Albanien.
Ich
bedanke mich noch einmal ganz herzlich bei Ihnen und hoffe, Sie am 23.
Oktober 2008 in Albanien im Rahmen der Wirtschaftskonferenz begrüβen
zu dürfen, wenn wir zugleich auch den 20. Jahrestag der Aufnahme
der diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Ländern feiern
werden.
Diskussion
Hans-Jürgen
Müller: Sehr geehrter Herr Premierminister, haben Sie ganz
herzlichen Dank für Ihre Rede, in der Sie die Grundlagen der
Reformpolitik, wie ich meine, sehr eindrucksvoll geschildert haben.
Die eingeleiteten Reformen haben Ihre Wirkung gezeigt, und viele, die
hier sitzen, sind deshalb hier, weil sie in den letzten Jahren
aufgrund der Reformen viele Aktivitäten im Wirtschaftsverkehr mit
Albanien entwickelt haben. Sie haben uns freundlicherweise zugesagt,
dass Sie auch für Fragen zur Verfügung stehen werden und ich möchte
jetzt das Auditorium bitten, sich für die Fragen durch Handheben zu
melden. Ich weiß, dass dieses immer ein ganz klein wenig dauert,
deshalb beginne ich mit einer Frage.
Heute wird
bei Ihren politischen Gesprächen hier in Berlin sicherlich auch die
Finanzkrise, die die westliche Welt durchmacht, eine Rolle gespielt
haben. Da liegt die Frage nahe: Wie weit ist Albanien bisher von der
Krise verschont geblieben oder was erwarten Sie?
|
Prof.
Dr. Sali Berisha: Die
globale Uhr bleibt eine globale Uhr. Trotzdem möchte ich sagen, dass
es in Albanien bis jetzt keine Anzeichen gibt, die auf diese Krise
hindeuten würden. Das Bankensystem in Albanien ist vollständig
privatisiert. Die Mutterbanken, deren Hauptsitze sich in den
Metropolen Europas befinden, haben keine Erschütterungen erfahren.
Ich wünsche mir, dass es auch in diesen Tagen so bleibt. Das
Vertrauen in die Banken ist nicht erschüttert worden. Nach
Informationen, die ich von der Bankenaufsichtsbehörde erhalten habe,
haben sich die Ersparnisse der Menschen erhöht. Ich verfolge die
Entwicklungen in diesem Bereich mit Aufmerksamkeit. Ich denke, dass
die Bundesregierung, Bundeskanzlerin Merkel und die Regierungen in den
gröβten Ländern der Europäischen Union nach Kräften engagiert
sind, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit diese Krise keine
schwerwiegenden Folgen haben wird.
|
 |
Hans-Jürgen
Müller: Vielen Dank!
Gibt es schon Wortmeldungen? Herr Danylow ist Geschäftsführer des
Ost- und Mitteleuropa Vereins mit Sitz in Hamburg.
Dr.
Peter Danylow, Ost- u.
Mitteleuropa Verein: Herr Präsident, Sie haben die Metallerze erwähnt,
die für Albanien auf mittlere Sicht eigentlich ein entscheidender
Wirtschaftszweig sein sollten. Von verschiedenen Firmen ist mir immer
wieder gesagt worden, insbesondere in Bezug auf die Chromerze, dass
die Lizenzierung der Chromförderung und -aufbereitung in Albanien
eigentlich abgeschlossen sein soll. Wenn ich Sie richtig verstehe, und
wenn ich die Lage mir richtig anschaue, ist in den letzten Jahren
nicht viel passiert. In der Chromerzproduktion sieht es doch so aus,
als ob sich Ihre Strategie jetzt dahingehend geändert hat, dass Sie
wieder von vorne anfangen, die Chromerzförderung neu zu organisieren.
Stimmt das?
Prof.
Dr. Sali Berisha: Ja,
es ist wahr. Ich arbeite eng mit der Weltbank zusammen, die nach
meiner Einschätzung den besten „Think Tank“ hat, was Erzminerale
und ‑gruben betrifft. Es gibt eine Initiative des ehemaligen
britischen Premierministers Blair für die Länder, die reich an
Rohstoffen sind. Diese Initiative beinhaltet einige gemeinsame Grundsätze,
die von allen Ländern befolgt werden müssen, unter anderem die
finanzielle Transparenz, den Umweltschutz, eine gemeinschaftskonforme
Entwicklung. Meine Regierung bereitet sich auf einen klaren Plan zur
Nutzung und Verwendung der Rohstoffressourcen, die wir besitzen, vor.
Heute kostet eine Tonne Chrom rund 450 US-Dollar an der Börse, vor
einigen Jahren waren es noch 70 bis 100 US-Dollar. China und Indien
haben die Preise für diese Erzrohstoffe nach oben getrieben und
werden sie weiter nach oben treiben, wie ich es sehe. Die Nachfrage in
China hat den Kaufpreis des Eisenerzes innerhalb eines Jahres
verdoppelt. Meine Regierung wird dieser Angelegenheit hohe
Aufmerksamkeit widmen.
Wir
bereiten uns vor, dies auf gut vorbereiteter Grundlage, in Übereinstimmung
mit dem Umweltschutz, mit finanzieller Transparenz und mit
vertretbaren Kriterien zu machen. Die Rohstoffe sind ein groβer
Reichtum für Albanien.
Hans-Jürgen
Müller: Vielen Dank.
Gibt es weitere Wortmeldungen?
Holger
Hartwig, Firma Netzsch
Oilfield Products GmbH: Herr Präsident, Sie haben über die
Modernisierung Ihrer Energiewirtschaft gesprochen. Wir sind seit drei
Jahren aktiv beteiligt, mittlerweile wird jede dritte Tonne Öl Ihres
Landes mit deutschen Pumpen gefördert. Meine Frage: Es gibt immer
noch Probleme bei der Anwendung von EU-Standards. Wird es bei Ihnen
eine eindeutige Richtlinie geben, dass künftig nur EU-Standards zur
Anwendung kommen oder wird es eine Mischung geben aus den Standards,
die im Ölgeschäft üblich sind, d.h. teils amerikanisch, teils
kanadisch, teils europäisch?
Prof.
Dr. Sali Berisha: Die
Erdölexploration in Albanien war ein problematischer
Wirtschaftssektor. Erstens ging es wirtschaftlich abwärts: Zweitens
fand die Förderung unter enormen Umweltbelastungen statt. Und
drittens handelt es sich leider um eine Erdölsorte, die zum gröβten
Teil mit Salzen und Sand vermischt ist. Was machen wir in dieser
Situation? Wir arbeiten in drei Richtungen. Ich bin ein Mensch, der
auf der einen Seite für niedrige Steuer und liberale Normen eintritt
und auf der anderen Seite sehr aufmerksam gegenüber der Umwelt ist.
Ich bin Arzt von Beruf. Ich fühle mich als Beschützer der Umwelt,
aber ich bin kein Anti-Globalist. Ich versichere Ihnen, dass wir die
besten europäischen Standards umsetzen werden. Eigennutz und
Gewinnmaximierung sind in dieser Hinsicht nicht der Wegweiser für
meine Regierung, sondern dem Umweltschutz ist vorrangig Priorität
einzuräumen. Wir haben bestimmte Normen für den Säureanteil
festgelegt und werden Abweichungen nicht weiter tolerieren. Wir werden
uns für die besten Standards in den Bohrregionen einsetzen. Ich
hoffe, dass die Situation sich verbessern wird.
Hans-Jürgen
Müller: Danke sehr,
das waren sehr klare Aussagen. Das bringt mich auf eine Frage, die ich
an Sie richten möchte. In Ihrem Statement haben sie nicht Bezug
genommen auf das Assoziierungsabkommen mit der EU. Die deutsche
Wirtschaft misst diesem Abkommen in ihren Handelbeziehungen mit
Albanien einen hohen Wert bei. Und der Fortschrittsbericht der EU über
die Assoziierungsbemühungen ist ja auch außerordentlich positiv. Wie
schätzen Sie die weitere Entwicklung aus dem Assoziierungsabkommen
ein?
Prof.
Dr. Sali Berisha:
Vielen Dank, dass Sie mir diese Frage gestellt haben. Für Albanien
gibt es zwei große Projekte in diesem Jahrhundert: die Integration in
die Europäische Union und in die NATO. Bezüglich der NATO haben wir
die Einladung in Bukarest erhalten. Frau Bundeskanzlerin Merkel hat
mir versichert, dass der Bundestag innerhalb dieses Jahres das
Protokoll zur NATO-Mitgliedschaft ratifizieren wird. Wir hoffen sehr,
dass wir mit den Gipfeln in Strassburg und Kehl die volle
NATO-Mitgliedschaft erreichen.
Wir
haben das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU
unterzeichnet. Wir haben das Interimsabkommen mit der EU gewissenhaft
umgesetzt. Die Berichte der EU-Kommission der letzten Jahre kommen zu
dem Schluss, dass in Albanien die Menschenrechte respektiert worden
sind und dass die Regierung nicht gegen die Menschenrechte verstoßen
hat. Auβerdem hat sich die Regierung nicht in den privaten Sektor
und in die funktionierende Marktwirtschaft eingemischt, was meiner
Meinung nach sehr wichtig ist. Wir haben die Zoll-Hindernisse abgebaut
und erfreulicherweise haben sich die Exporte aus Albanien in die
Bundesrepublik Deutschland von 16 Prozent auf 36 Prozent erhöht. Wir
begegnen einer ungünstigen Situation in diesem Verfahren nicht ohne
Zuversicht. Für uns ist die Liberalisierung der Visa sehr wichtig.
Zu
gegebener Zeit werden wir den Antrag zum Kandidatenstatus einreichen.
Wir werden selbstverständlich den richtigen Moment wählen, weil -
wie Sie wissen - der Volksentscheid in Irland die Ratifizierung des
Lissabonner Vertrages erschwert hat. Die Ratifizierung ist notwendig.
Was mich jedoch zufrieden stimmt, ist die Tatsache, dass in diesem
Fall der Volksentscheid in Irland nichts mit dem Prozess der
Erweiterung der EU zu tun hatte, wie es nach den Volksentscheiden in
Frankreich und Niederlanden gesagt wurde.
Hans-Jürgen
Müller: Danke schön.
Gibt es weitere Wortmeldungen?
Dr.
Klaus Glaubitt, KfW
Entwicklungsbank: Herr Präsident, ich komme zurück auf den
Infrastrukturbereich und dort insbesondere auf den Energiebereich. Wir
wissen, dass die Energiewirtschaft nicht nur für Albanien sehr
wichtig ist sondern für sämtliche Länder in Süd- und Osteuropa und
einen Schlüsselfaktor bildet auch für zukünftiges
Wirtschaftswachstum. Insbesondere die regionale Kooperation spielt
eine große Rolle einerseits im Bereich des Ausbaus der
Erzeugungskapazität an elektrischer Energie, darüber hinaus auch im
Bereich der Übertragung, um ein Optimum zu kreieren in der Region.
Welche grundsätzliche Politik vertreten Sie in Südosteuropa zu
diesen beiden Bereichen, die ich genannt habe?
Prof.
Dr. Sali Berisha:
Erstens, es ist sehr notwendig, dass Albanien und Südosteuropa
insgesamt grundsätzlich das Energieübertragungsnetz verbessern, weil
dies ein ernstes Hindernis für die Marktfreiheit in dieser Region
ist. Zweitens, es ist genauso notwendig, neue Energiequellen zu
vermehren. In diesem Zusammenhang ermutigt Albanien Investitionen in
allen Energiequellen. Wasserressourcen gibt es für etwa 16 Milliarden
Kilowattstunden. Wir sind ein Land mit langer Küste und den Wind
betreffend ein Land mit durchschnittlich 640 Meter Höhe. Aber, wir
sind auch offen gegenüber anderen Formen der Energiegewinnung wie
Nuklearenergie, Energie aus Kohle und Solarenergie.
Es
gibt ein groβes Interesse für Investitionen in Albanien. Wir
haben bislang den Bau von Wasserkraftwerken mit einer Energieleistung
von drei Milliarden Kilowattstunden vertraglich vereinbart. Wir
bereiten den Ausbau weiterer Wasserkraftwerke vor, weil dies eine
ideale Nutzung unserer Flüsse ist, die nicht so groβ sind. Wir
haben Lizenzen für Windenenergieparks mit einer Energieleistung von
bis zu eintausend Megawattstunden vergeben. Es gibt die ersten
Angebote für ein Thermokraftwerk von ENEL, dem griechischen
Konsortium TERNA, das mit einem groβen deutschen Unternehmer
zusammenarbeitet. Wir sind gegenüber der Nuklearenergie offen. Wir
bereiten die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Bau von
Nuklearzentralen vor, weil Nuklearenergie die stabilste und sauberste
Energiequelle heutzutage ist.
Hans-Jürgen
Müller: Sehr geehrter
Herr Ministerpräsident, ich danke Ihnen für Ihre Geduld und die ausführliche
Beantwortung der Fragen. Wir sind hier zwar in der Vertretung
Hamburgs, wo wir sehr gerne sind, möchten Ihnen für den
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Deutsch-Albanische
Wirtschaftsgesellschaft, die diese Veranstaltung gemeinsam ausrichten,
zum Dank und zur Erinnerung als ein kleines Geschenk ein Buch über
Berlin überreichen, damit Sie Ihren Berlin-Besuch in guter Erinnerung
behalten. Dies schließt aber nicht aus, dass wir Sie nächstes Mal
direkt nach Hamburg einladen, um Ihnen dort die Stadt, nicht nur im
Buch, vorzustellen. Ich möchte mich bei Ihnen noch einmal ganz
herzlich bedanken!
|
 |
Prof.
Dr. Sali Berisha: Ich
danke Ihnen! Ich habe das Glück gehabt, Ihre Stadt schon früher
einmal besucht zu haben, die mich durch ihre Vielfältigkeit sehr
beeindruckt hat. Ich habe den schönsten, gröβten und besten
Hafen besucht, den ich jemals gesehen habe. Ich habe dort auch andere
schöne groβartige Orte gesehen. Vielen Dank noch einmal!
Hans-Jürgen
Müller: Wir brauchen Ihnen dieses Mal nicht lange „Auf
Wiedersehen“ zu sagen, denn in zehn Tagen werden Sie einen guten
Teil der hier Anwesenden in Tirana wiedertreffen. Dies wird eine
besonders gute Gelegenheit sein, weil zu diesem Zeitpunkt ausschließlich
über Business geredet wird.
|
|