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Deutsch-Albanische Wirtschaftskonferenz 2010: Zentraler Treffpunkt für Wirtschaft und Politik

 

„Die Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenzen sind zu dem zentralen Treffpunkt von Wirtschaft und Politik in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Albanien geworden. Informationen über strategische wirtschaftliche und politische Weichenstellungen und die Förderung von Kontakten zwischen Unternehmen beider Länder stehen im Mittelpunkt der Wirtschaftskonferenzen.“ Dies ist die zusammenfassende Bewertung von DAW-Präsident Hans-Jürgen Müller, Präsident der Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft  (DAW)  und Honorarkonsul der Republik Albanien, zu der außerordentlich erfolgreichen Wirtschaftskonferenz, die in der Handelskammer Hamburg am 10. Juni 2010 damit nun zum vierten Mal stattgefunden hat. DAW-Präsident Müller weiter: „Das Ziel einer erneuten Verdoppelung des Handelsvolumens zwischen Deutschland und Albanien ist möglich und erreichbar, wenn beide Seiten engagiert an einem Ausbau und einer Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen arbeiten. Nun müssen Wirtschaft und Politik sich dafür stark machen, dass den vielfältigen Kontakten auch konkrete Kontrakte folgen.“

Deutsch-Albanische Wirtschaftskonferenz 2010
„Wachstumspotenziale: Infrastruktur - Logistik - Handel“

10. Juni 2010, Handelskammer Hamburg


Die albanische Regierung war an der 4. Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz prominent vertreten. Dritan Prifti, Minister für Wirtschaft, Handel und Energie repräsentierte die albanische Regierung und eröffnete für diese die Konferenz. Zu Fragen der Infrastrukturpolitik wirkten Ernest Noka, Vizeminister für Infrastruktur und öffentliche Arbeit, und für Gesundheitsfragen Mirela Cano, Generalsekretärin im Gesundheitsministerium,  mit.  Zum  Auftakt  der
bedeutenden Wirtschaftskonferenz wurden die Ehrengäste von Vizepräses Dr. Thomas M. Schünemann in das Columbus-Zimmer zur Eintragung in das Gästebuch der Handelskammer Hamburg geladen.

Wirtschaftsminister Dritan Prifti bei der Eintragung in das 
Gästebuch der Handelskammer Hamburg mit Vizepräses 
Dr. Thomas M. Schünemann (re.) und DAW-Präsident 
Hans-Jürgen Müller sowie UCCIAl-Präsident Ilir Zhilla

Schwerpunkte: Infrastruktur - Logistik - Handel

Für die Handelskammer Hamburg eröffnete Vizepräses Dr. Thomas M. Schünemann die Deutsch-Albanische Wirtschaftskonferenz 2010. 

In seiner Eröffnung wies er auf die Kompetenz von Hamburg im Einzelhandel und angesichts der Bedeutung als internationaler Außenhandels- und Hafenstandort im Bereich des Transport- und Logistiksektors, aber auch im Sektor Medizintechnik und in der Gesundheitswirtschaft sowie für Projekte der Erneuerbaren Energien hin. In diesen Sektoren lägen interessante Potenziale für eine Zusammenarbeit.  


Vizepräses Schünemann machte jedoch auch deutlich, dass für Investoren, die ein gewisses Kapitalrisiko eingehen, noch einiges in Angriff genommen werden müsse. Beispielhaft sprach er die Verbesserung der Rechtssicherheit an. Darüber hinaus sprach er sich dafür aus, die gesetzliche Basis für leistungskräftige Kammern in Albanien zu stärken, um die albanische Wirtschaft besser in ihrem Handeln zu unterstützen, in dem diese von politischem Einfluss unabhängig ist.

Für die Handelskammer Hamburg bekräftigte Dr. Schünemann, dass die Fachleute der Handelskammer Hamburg albanischen Unternehmen zur Verfügung stünden, wenn es um Fragen zum Eintritt in den deutschen Markt und die Vermittlung zu deutschen Partnerunternehmen gehe.  


Für die deutsche Wirtschaft begrüßte Prof. Dr. Rainer Lindner die Teilnehmer aus Albanien und Deutschland und würdigte Albanien als ein Land, das sich klar auf einen europäischen Kurs begeben habe, dessen Wirtschaft im Entwickeln sei, das sich gegen die Krise gestemmt habe und das auch große Möglichkeiten und Chancen biete. Die Themen Infrastruktur, Logistik, Handel und Gesundheit sind Felder, die gerade für die deutsche Wirtschaft und den deutschen Mittelstand besonders Chancen mit sich bringen. Vor diesem Hintergrund führte er aus, dass die angestrebte Visafreiheit ein wichtiger Schritt ist, den wirtschaftlichen Austausch zu dynamisieren sowie Handelsbeziehungen stärker als bisher zu fördern.  

DAW-Präsident Hans-Jürgen Müller im Gespräch 
mit Rainer Lindner vom Ost-Ausschuss (li.)

Als wichtige Investitions- und Eintrittschancen führte er Vereinfachungen von Verfahren, Immobiliensicherheit und Planungssicherheit an. Auch die Garantie für ausländische Investitionen sowie die Gleichbehandlung von inländischen und ausländischen Investoren führte Prof. Lindner als Vorteil von Albanien im Wettbewerb um Investitionen und Handel in Osteuropa neben dem bereits bestehenden Investitionsschutzabkommen und dem noch zu ratifizierenden Doppelbesteuerungsabkommen an.

Prof. Lindner machte jedoch auch deutlich, dass deutsche Unternehmen auch dazu tendieren, nach Risiken zu fragen, wenn es um die Frage nach der Zusammenarbeit geht. 


Er sprach mit Blick auf den  Ausbau  der bilateralen
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Albanien an, dass Unternehmen bei der Frage nach der Gewichtung von preislichem Wettbewerb und qualitativem Wettbewerb sorgfältig die Nachhaltigkeit von Projekten im Sinne der Langfristigkeit eines Engagements abwägen sollten. Er war dafür, insgesamt auch in Offenheit kritische Themen wie Kriminalität, Bürokratie und die Fortsetzung des Reformprozesses anzusprechen.

In seiner zentralen Ansprache nahm Dritan Prifti, Minister für Wirtschaft, Handel und Energie die Gelegenheit wahr, zunächst Prof. Dr. Sali Berisha, Premierminister der Republik Albanien wegen der aktuellen Beratungen im albanischen Parlament zu entschuldigen und stellte dann in einer engagierten und überzeugenden Rede den Standort Albanien, die Reformfortschritte und Ziele der albanischen Regierung vor. Er hob die Wertschätzung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland hervor und unterstrich die sehr guten Beziehungen auf politischer Ebene von Deutschland und Albanien und machte deutlich, dass auch die wirtschaftlichen Beziehungen auf ein hohes Niveau gebracht werden müssen. Die albanische Wirtschaft ist vital und wachsend, so Minister Prifti zu den Perspektiven der Wirtschaft. Die albanische Wirtschaft habe sich in der Krise als robust erwiesen. Mit einem Wachstum von plus 3,5 Prozent läge das albanische Wirtschaftswachstum deutlich über dem Wachstum in der Europäischen Union  mit  durchschnittlich  minus 4 Prozent. 


 

Wirtschaftsminister Dritan Prifti im Dialog mit dem
Auditorium, Moderator Hans-Jürgen Müller und
Kammer-Präsident Ilir Zhilla  

Allerdings räumte er ein, dass auch die albanische Wirtschaft von der Krise nicht ganz verschont geblieben sei. Nach einem Zuwachs von 7,8 Prozent im Jahr 2009 habe sich das Wachstum 2010 abgeschwächt, allerdings seien die Auslandsinvestitionen 2009 um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Die Exporte Albaniens haben sich in den ersten vier Monaten 2010 verdoppelt. Für den Handel mit Deutschland sieht er einen wichtigen Impuls mit dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Albanien und Deutschland, das sich auf dem Weg der Verabschiedung befinde. Diese erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung sieht Wirtschaftsminister Prifti auch in der Modernisierungspolitik der albanischen  Regierung begründet. 


So führte er aus,
dass Albanien mit einer Flat-Rate von 10 Prozent die attraktivsten Steuersätze in Europa vorweisen könne. Die Beiträge für Arbeitgeber zu den Sozialversicherungen seien um 25 Prozent gesenkt worden. Durch die Einführung des One-Stop-Shop seien die Zeiträume für die Unternehmensregistrierung verkürzt und auch die Lizenzerteilung und Zulassung von Produkten erleichtert worden. Ausschreibungen werden inzwischen online durchgeführt, was zu einer Senkung der Korruption beitrage. Die Modernisierung Albaniens sei auch von der Weltbank anerkannt worden. Diese habe Albanien attestiert, zu den zehn engagiertesten Reformländern zu zählen.  

Für den Standort Albanien spreche auch das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union, mit der Türkei und den CEFTA-Mitgliedstaaten. Durch die Kooperation in der Region, mit dem Kosovo und Mazedonien, würden sich einheitliche Märkte mit einem attraktiven Potenzial von rund sieben Millionen Menschen entwickeln. Ein wichtiges Signal in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sieht Minister Prifti auch in der Visaliberalisierung für albanische Bürger, was Kontakte mit dem Schengen-Raum erleichtere. Auch äußerte er seine Zuversicht, dass innerhalb des nächsten Jahres Albanien ein positives Signal über seinen Kandidatenstatus für die Europäische Union erhalte. Zur Frage der Sicherheit führte Minister Prifti an, dass Albanien Mitglied in der NATO sei und mit Blick auf die innere Sicherheit eine relativ niedrige Kriminalitätsrate habe, die unter dem Durchschnitt der Europäischen Union liege.

Attraktive Bereiche der albanischen Wirtschaft für die bilaterale Zusammenarbeit sind nach Wirtschaftsminister Prifti zunächst einmal das Energiewesen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll dieser Sektor rund 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, heute läge dieser Anteil bei noch 2 Prozent. Auch werde das enorme Wasserkraftpotenzial bislang nur zu 30 Prozent ausgeschöpft. Für 2.000 MW würden Investoren und Betreiber gesucht. In der Windenergie betrage dieses Potenzial 3.000 MW. Offen sei Albanien weiterhin für Thermokraftwerke und auch für Atomenergie. Für diese werde gegenwärtig an den gesetzlichen Rahmenbedingungen gearbeitet.

Albanien sei auch interessant an Ressourcen. Albanien verfüge über Öl- und Gasvorkommen. Die Reserven würden den Bedarf in Albanien für viele Jahre noch decken können. Aktuell könne der Inlandsbedarf jedoch nur zu 30 bis 40 Prozent gedeckt werden. Es bestehe daher ein erheblicher Bedarf an Investitionen. Das albanische Ölunternehmen ALBPETROL solle noch im Jahr 2010 privatisiert werden, die Ausschreibung sei eröffnet. Mineralien wie Chrom, Nickel, Kupfer sowie viele andere Mineralien stellen den größten Anteil am Export Albaniens. Auch hier bestehen noch große Potenziale.

Als weitere interessante Sektoren nannte er den Sektor Landwirtschaft und Ernährung, insbesondere für Bioprodukte, sowie den Tourismus. Zum Tourismus führte er an, dass 94 Prozent der Küste noch ungenutzt seien und auf hochwertige Investitionen warten. Minister Prifti machte auch die Absicht deutlich, über Handel, Dienstleistungen und Bergbau hinaus möglichst attraktiv für Investitionen in die Produktion zu werden. Um dies zu unterstützen habe Albanien inzwischen sieben wirtschaftliche Freizonen in der Nähe der Häfen bzw. Küste eingerichtet.  

Abschließend ging Minister Prifti auf die Stärkung der albanischen Handelskammerorganisation ein und führte an, dass diskutiert werde, die verpflichtende Mitgliedschaft in der Handelskammerorganisation wieder einzuführen.  

Für die albanische Wirtschaft würdigte Ilir Zhilla, Präsident der Union der Handels- und Industriekammern von Albanien (UCCIAl) den deutschen Beitrag in der Entwicklung der albanischen Wirtschaft. Insbesondere betonte er die Präferenz in Albanien für Kooperationen mit Unternehmen und Produkte aus Deutschland. Als best-practice-Beispiele führte er Hochtief, EMS Shipping, Rossmann und Praktiker an. Als einen wichtigen Beitrag für die deutsch-albanischen Unternehmenskontakte verwies er auf die von der Kammerorganisation maßgeblich organisierten beiden zurückliegenden deutschen Messen in Albanien, die große Resonanz erfahren haben.

Die deutsche Stimme in Albanien stellte Anette Kasten, Generalsekretärin der Deutschen Industrie- und Handelsvereinigung in Albanien, vor. Sie führte an, dass die Präsenz einer deutschen Interessensvertretung vor Ort mit großem Interesse wahrgenommen wurde. Nach der Gründung sei die DIHA seit dem vergangenen Jahr nunmehr operativ tätig. Die DIHA stütze sich auf ein Netzwerk von deutschen Unternehmen und auch albanischen, die schon lange im Geschäft seien. DIHA könne einen Kontakt zu Rechtsanwaltskanzleien, Steuerbüros und Marketingfirmen herstellen und habe auch einen Draht zu albanischen Institutionen und zur albanischen Regierung entwickelt.

Forum Logistik – Dienstleistungen für Unternehmen

„Albanien ist im Grund ein Nachbar von Deutschland - nur tausend Kilometer entfernt. Welche Anforderungen müssen erfüllt werden, damit die wirtschaftlichen Beziehungen in Handel, Produktion und Dienstleistungen optimale Bedingungen  finden?“  so  skizzierte  G.-Michael Raabe, Präsident des Ost- und Mitteleuropa Vereins, als Moderator die Fragestellung des Forums „Logistik – Dienstleistungen für Unternehmen“.  

Auf dem Forum Infrastruktur diskutierten Andrea Gebbeken, 
CEO Tirana International, Vizeminister Ernest Noka, 
Moderator G.-Michael Raabe, Hafendirektor Agron Copja 
und HPC-Geschäftsführer Klaus Schmöcker sowie CCITr-Präsident Nikolin Jaka  

In seinem Eröffnungsstatement stellte Ernest Noka, Vizeminister für Transport und öffentliche Dienste die Schwerpunkte der albanischen Regierung im Ausbau und der Modernisierung der albanischen Infrastruktur dar. Er machte die Bedeutung des Ausbaus, insbesondere der Verkehrsinfrastruktur, Häfen, Straßen und Eisenbahn, deutlich. 

Zugleich führte er den großen Investitionsbedarf an und warb für das Engagement deutscher Unternehmen in Albanien. So führte er die Bedeutung für Albanien der Häfen Durres, Vlora, Shengjin und – für den Tourismus – Saranda, des internationalen Flughafens bei Tirana sowie die neue Autobahn an, die das Kosovo und Albanien verbinde und den Handel attraktiv mache.


Transportmöglichkeiten aus Deutschland nach und von Albanien sowie damit verbundene Infrastrukturthemen stellte Markus Aminger, Head Office Austria & South-East Europe, Schenker & Co. AG, Wien, dar. Er erläuterte, dass Wirtschaftswachstum eine entsprechende Infrastruktur für die Nachfrage an Transportleistungen benötige. Hauptrouten aus Deutschland sind die Fahrverbindungen von den Häfen Triest, Kopa, Ancona nach Durres und zwei weitere reine Landverkehrswege, die von Kroatien und Slowenien über den westlichen Balkan nach Tirana führen. Darüber hinaus wird Albanien von über elf Airlines angeflogen. Neben den Fährverbindungen hat auch in der Seefracht der Hafen Durres zentrale Bedeutung. Die Bahnverbindung von Slowenien über Serbien und Montenegro nach Albanien spiele eine noch untergeordnete Rolle. Neben dem Appell einer Modernisierung des Equipments und einer Verlagerung des Containerhafens wird die Ansiedelung eines Logistikzentrums für den Containerumschlag für erforderlich gehalten. Positiv hervorgehoben wurde die neue Autoverbindung in den Kosovo. Dringender Handlungsbedarf wird bei den Themen Haftung und Zollabwicklung gesehen, um für das Transportgewerbe attraktive Abläufe zu erreichen.

Die Hinweise auf die zentrale Bedeutung des Hafens Durres griff Agron Copja, Direktor Durres Port Authority, auf. Er verwies darauf, dass der Hafen Durres internationale Partnerschaften zur Modernisierung der Infrastruktur und der Eisenbahntransportmittel, zur Modernisierung der Handelsflotte, von Trailern und Transportfahrzeugen sowie auch zu Logistikunternehmen unterhalte. Internationale Erfahrungen flössen in die Planung von Logistikzentren innerhalb und außerhalb des Hafens, in das Wachstum des kombinierten und internationalen Transports, in die Steigerung der Leistungsfähigkeit, der Spezialisierung und der Wirtschaftlichkeit der logistischen Abläufe ein.

Aus Sicht des Hafen- und Logistikstandorts Hamburg nahm Klaus Schmöcker, Geschäftsführer HPC Hamburg Port Consulting GmbH, zur Bedeutung der Hafenlogistik und -infrastruktur Stellung. Den Hafen von Durres wertete er als den zentralen internationalen Hafen von Albanien und als ein Rohdiamant auf Grund der Entwicklung der albanischen Volkswirtschaft in den vergangenen Jahren. Er machte auf die wirtschaftsstrategische Bedeutung der Lage im Wettbewerb der Häfen Triest, Kopa, Rjieka, Bar und Thessaloniki und in Verbindung mit der Verkehrsinfrastruktur um Märkte aufmerksam und verwies dabei auf die Verdreifachung des Güterumschlags in Durres in den vergangenen drei Jahren. Er unterstrich, dass Durres der Hafen der Zukunft für die nächsten Jahre sei.

Die Schlüsselstellung des internationalen Flughafen Nene Tereza bei Tirana erläuterte Andrea Gebbeken, Chef Executive Officer Tirana International Airport. 80 Prozent der Flughafenmodernisierung wurden von deutschen Investoren erbracht und die 20-jährige Konzession beinhalte insbesondere den Betrieb des Terminals. Sie machte am Beispiel des internationalen Flughafens von Albanien deutlich, dass der Luftverkehr zwar auch von der Krise betroffen sei, jedoch dieser nicht in gleichem Maße volatil sei. Auch sei die Entwicklung überraschend erfreulicher verlaufen als ursprünglich erwartet, so dass der Ausbau des Flughafens deutlich schneller gestaltet werden musste. Dies sei ein großartiger Erfolg für Albanien. Auch hob sie die enorme Dynamik am Flughafen hervor. Die Albaner selber würden gerne reisen und auch immer mehr Menschen aus Europa und anderen Ländern kämen nach Albanien, um dieses Land als Geschäftsland oder Urlaubsland kennen zu lernen. Als ein wichtiges Thema sprach sie die Rechtssicherheit an, auch unter dem Blickwinkel, wie gerechtfertigte Ansprüche durchgesetzt werden können.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Region Tirana in der albanischen Volkswirtschaft erläuterte Nikolin Jaka, Präsident der Handels- und Industriekammer von Tirana. Er machte deutlich, dass die Region Tirana in den vergangenen Jahren stark gewachsen sei und für Investitionen sowie Handel eine gute Ausgangslage biete. Für die Handels- und Industriekammer von Tirana bot er die Unterstützung bei der Ansprache von Kontakten zu Unternehmen an.  

Forum Handel - Potenziale im deutsch-albanischen Handel

Die Perspektiven des bilateralen Handels zwischen Deutschland und Albanen standen im Mittelpunkt des Forums Handel, das von Prof. Dr. Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft in Berlin, geleitet wurde. Ausgangspunkt des Forums war, dass im Zuge des Ausbaus der Infrastruktur in Albanien und der Entwicklung der Grenzen überschreitenden Zusammenarbeit in der Region auch der Außenhandel und der Einzelhandel mit Konsumgütern an Interesse und Bedeutung steigt.

Unterstützt wird dies durch die beträchtlichen Überweisungen von im Ausland lebenden Albanern sowie die steigende Einkommensentwicklung in Albanien. Handelsminister Prifti warb für die Attraktivität Albaniens für den Handel. Er erläuterte die weitgehende Liberalisierung des institutionellen Rahmens. Durch die Einführung des One-Stop-Shops seien die Registrierung von Unternehmen und die Zulassungsverfahren für Lizenzen auf einen Tag deutlich verkürzt worden. 

Die Befreiung von ausländischen Investitionen und die niedrige Flat-Tax auf Erträge von 10 Prozent machten Albanien für Investitionen im Handel attraktiv. Insbesondere hob er nochmals die angestrebte Senkung des Umsatzsteuersatzes auf bestimmte Güter, wie pharmazeutische Produkte, hervor.  

Die Potenziale des Handels präsentierten Anduena Stephan 
von Sprint MMC, Geschäftsführer Wolfhart Putzier, 
Wirtschaftsminister Dritan Prifti, Moderator Rainer Lindner, 
UCCIAl-Präsident Ilir Zhilla und Bernd Tiemeier von Rossmann  

Die Erfahrungen eines engagierten Außenhändlers brachte Wolfhart Putzier, Geschäftsführer von Jebsen & Jessen GmbH & Co. KG, Hamburg, ein, das im Textilienimport, im Chemikalienhandels sowie im Import von Sandstrahlgranulaten engagiert ist. Er hob hervor, dass Wachstum und Einkommensanstieg das Konsumklima deutlich verbesserten. Gute Perspektiven ergäben sich für den Handel gerade durch den Wegfall von Zöllen im Rahmen der Umsetzung des im Jahr 2009 in Kraft getretenen Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens zwischen der Europäischen Union und der Republik Albanien.

Anduena Stephan, Executive Partner von SPRINT! Marketing & Management Consulting, Tirana, unterstrich, dass die Konsummöglichkeiten in Albanien deutlich zugenommen haben. Freiheit und Sicherheit in Albanien seien stark gestiegen. Eine vielfach im Ausland befürchtete Unsicherheit sei nicht zu erkennen. Mit Blick auf die Marketing-Perspektiven für Unternehmen in Albanien sprach sie an, dass in Albanien ähnliche Bedingungen wie in anderen Ländern anzutreffen seien, allerdings müssten sich die konkreten Dienstleistungen an den spezifischen Gegebenheiten der albanischen Wirtschaft orientieren.

Eine vorbildliche Erfolgsgeschichte im Einzelhandel der deutsch-albanischen Zusammenarbeit präsentierte Bernd Tiemeier vom Drogeriemarkt-Unter­nehmen Dirk Rossmann GmbH, Burgwedel, und seinem albanischen Partner Altin Lala. Alle Waren, die in Albanien vertrieben werden, würden aus Deutschland importiert. Zweimal wöchentlich würden große Lastwagen zwischen Deutschland und Albanien zur Versorgung des albanischen Marktes verkehren. Eine weitere Expansion sei grundsätzlich möglich, allerdings würde dies eine vernünftige Lagerinfrastruktur mit Partnern vor Ort erfordern. Diese Herausforderung sei jedoch noch nicht gelöst.

Zur Unterstützung des Marktzutritts und -erschließung durch Erstkontakte bot Ilir Zhilla, Präsident der Union der albanischen Handels- und Industriekammern die generelle Unterstützung für deutsche Unternehmen an. Als weitere Perspektive für Unternehmen verwies er auf Kooperationsabkommen der albanischen Handelskammerorganisation mit den Nachbarländern und die regionale Zusammenarbeit im Rahmen des Central European Free Trade Agreement (CEFTA). In allen Wirtschaftssektoren sei die Kammerorganisation bereit, Unternehmen aus Deutschland bei Erstkontakten in Albanien und der Region zu unterstützen.

Forum Gesundheitswesen – Chancen für die deutsche Wirtschaft

Die Modernisierung und Verbesserung des Gesundheitswesens hat für die albanische Regierung hohen Stellenwert. Vor diesem Hintergrund befasste sich das Forum „Modernisierung des Gesundheitswesen – Chancen für die deutsche Wirtschaft in Albanien“ mit der Frage, welche politischen Schwerpunkte sich die albanische Gesundheitspolitik für die laufende Legislaturperiode setzt und welche Perspektiven sich für bilaterale Kooperationen für Unternehmen beider Länder daraus ergeben. Das Forum moderierte Tobias Baumann, Referatsleiter beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin.  

Tobias Baumann, Moderator des Forum Gesundheit, mit Gunter Barthel 
von Siemens, Dr. Hans-Georg Feldmeier von Mibe und Tim Kamradt 
von Fresenius und weiteren Teilnehmern des Forums.  

Eingangs erläuterte Mirela Cano, Generalsekretärin im Ministerium für Gesundheit in Tirana, die aktuelle Lage des Gesundheitswesens in Albanien als schwierig. Der Bedarf an Investitionen in die Modernisierung der Gesundheitsversorgung sei enorm. Dies bedeute aber zugleich entsprechende Möglichkeiten. Beispielhaft nannte sie die Technisierung und Digitalisierung des Krankenkassensystems. Sie unterstützte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen und deren stärkeres Engagement. Die konkreten Erfahrungen eines in Albanien produzierenden Unternehmens in der Pharmabranche stellte Dr. Hans-Georg Feldmeier, Geschäftsführer der Mibe GmbH Arzneimittel, Brehna, dar. Die Mibe GmbH  investierte in den einzigen albanischen Pharmabetrieb, der im Zuge der Privatisierungen zum Verkauf stand. 


Der Betrieb beschäftigt heute 200 Mitarbeiter und genießt aufgrund der Tatsache, dass Wettbewerber bisher in der Regel nur als Importeure tätig seien, eine gewisse Sonderstellung auf dem albanischen Markt. Für alle Herausforderungen, von der Finanzierung bis zu den Reinräumen, könne das Unternehmen die nötigen Lösungen bieten.

Auch Gunter Barthel, Regional Sales Manager der Siemens AG, Erlangen, beschrieb das Engagement seiner Firma und die Zusammenarbeit mit örtlichen Partnern und Tochtergesellschaften als überaus erfolgreich. Im Bereich kompletter Krankenhausausstattungen ist Siemens einer der stärksten Anbieter vor Ort. Als besonders interessant bezeichnete Barthel den Bereich Health Care IT. Der Nachholbedarf in Albanien sei insgesamt sehr groß. Albanien biete darüber hinaus als Standort für die Region einige Vorteile, die Siemens nutzen wolle.  

Auf eine mehr als zehnjährige Zusammenarbeit im Medizinsektor konnte Tim Kamradt, Sales Director South-Eastern Europe der Fresenius Medical Care Deutschland GmbH, Bad Homburg, mit der Firma Montal Sh.p.k in Albanien verweisen. Die Leistungsschwerpunkte lägen in Technologien und Services zur Dialyse. Wichtige Standorte seien Tirana, Gjirokaster, Shkodra und Elbasan. Über die Dialyse hinaus biete Fresenius Planung, Design, Ausstattung, Installation, Personal und Klinik Management, Technologie Qualitätssicherung, Monitoring und Services. Grundsätzlich führte er an, dass Fresenius der albanischen Regierung mit seinen Leistungen als Partner z. B. bei Privatisierungen, Management, Joint Ventures oder Services zur Verfügung stehe.

Feierlicher Abschluss: Empfang des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg

Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg lud zum offiziellen Abschluss der  Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz  2010  zu  einem  Empfang  in das Rathaus ein. Bernd Reinert, Staatsrat der Behörde für Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt Hamburg, empfing die zahlreichen Gäste aus Politik und Wirtschaft und hob die wirtschaftliche Bedeutung Hamburgs für den Außenhandel hervor. Zugleich unterstrich er die Bereitschaft, die bilaterale Zusammenarbeit zu unterstützen.  

DAW-Präsident Hans-Jürgen Müller mit Wirtschaftsminister Dritan Prifti, 
Vizeinfrastrukturminister Ernest Noka und Botschafter Valter Ibrahimi 
bei der Ansprache von Staatsrat Bernd Reinert  

Wirtschaftsminister Dritan Prifti zog ebenfalls ein positives Resumee zur diesjährigen Wirtschaftskonferenz und verwies auch auf seine ideelle Verbundenheit mit Deutschland. Er bekräftigte das von DAW-Präsident Hans-Jürgen Müller angestrebte Ziel des Ausbaus des wirtschaftlichen Handels und Investitionen zwischen Deutschland und Albanien und appellierte erweiternd, sich mit dem Ziel einer Verdreifachung des bilateralen Handelsvolumens zwischen Deutschland und Albanien ein ehrgeizigeres Ziel zu setzen. Kammerpräsident Ilir Zhilla unterstrich vor diesem Hintergrund nochmals die Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung  der  albanischen  Kammern  sowie  auch  zur  politischen Unterstützung der Zielsetzung, die Kontakte zwischen Unternehmen beider Länder auszubauen.  

DAW-Präsident Hans-Jürgen Müller dankte abschließend für die Veranstalter allen Mitwirkenden und Unterstützern aus Politik und Wirtschaft für das Engagement anlässlich der 4. Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz. Er lud die Teilnehmer ein, die diesjährige Konferenz im Herbst 2011 mit der 5. Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz fortzuführen, um dann auch eine Zwischenbilanz über das bis dahin Erreichte zu ziehen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit gezielt weiter voranzubringen.

Die Veranstalter danken allen mitwirkenden Institutionen und Organisationen für ihr Engagement, mit der Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz 2010 eine attraktive Plattform für den Informationsaustausch und den Dialog zur Förderung von unternehmerischen Kontakten zu schaffen. Besonderer Dank gilt hierbei der Handelskammer Hamburg für ihre engagierte und umfassende Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Wirtschaftskonferenz. Zu besonderem Dank verpflichtet sind die Veranstalter auch für die Unterstützung durch die albanischen und deutschen Regierungsstellen. Zum Erfolg der Veranstaltung und der großen Resonanz haben auf albanischer Wirtschaftsseite die Vereinigung der albanischen Handels- und Industriekammern (UCCIAl), die Handels- und Industriekammer von Tirana (CCITr) sowie die Deutsche Industrie- und Handelsvereinigung in Albanien (DIHA) entscheidend beigetragen. Wichtige organisatorische und koordinierende Funktion für die Verwirklichung der Branchenkonferenz haben neben der Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft (DAW), der Ost- und Mitteleuropa-Verein (OMV), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft geleistet. Nicht zuletzt danken wir auch für die begleitende Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH in Tirana.  

Hier finden Sie eine Liste der Teilehmer.  >> Teilnehmerliste <<

 

 

An der Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz wirkten folgende Unternehmen mit

Dirk Rossmann GmbH • Durres Port Authority • Fresenius Medical Care Deutschland GmbH • HPC Hamburg Port Consulting GmbH • Jebsen & Jessen GmbH & Co. KG • Mibe GmbH Arzneimittel • Schenker & Co. AG • Siemens AG • Sprint! MMC Tirana International Airport TIA

 

Die Deutsch-Albanische Wirtschaftskonferenz 2010 fand statt mit der Unterstützung von:

  Logo Handelskammer

 

 

Hinweis: Zur Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz 2010 wird noch eine gesonderte Publikation herausgegeben.

 

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